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Hirtenwort zur Fastenzeit

Bischof Genn: „Es braucht eine moralische Erneuerung der Kirche“

Münster

Bischof Felix Glenn spricht im diesjährigen Hirtenwort zur Fastenzeit nicht nur über die aktuelle Situation in der Kirche, sondern auch über den Krieg in der Ukraine. Gemeinsinn statt Zerrissenheit solle nun im Vordergrund stehen.

Auf den russischen Krieg gegen die Ukraine und auf die aktuelle Situation in der Kirche geht Dr. Felix Genn, Bischof von Münster, in seinem diesjährigen Hirtenwort zur Fastenzeit ein. Dieses wird im Bistum Münster in allen katholischen Gottesdiensten zum ersten Fastensonntag, 6. März, verlesen. Der Bischof spricht sich für echtes und intensives Hören aufeinander aus, um „in dieser schwierigen Situation eine Orientierung“ zu geben und zugleich einen konkreten Vorschlag zur Gestaltung der Fastenzeit zu machen.

Seine Gedanken, versichert der Bischof zu Beginn, seien bei den Menschen in der Ukraine. Sie seien „Opfer eines Despoten, für den Recht und Gesetz keine Rolle spielen.“ Unter Bezug auf den im Münsteraner Friedenssaal zu lesenden Spruch „Pax optima rerum – der Friede ist das höchste Gut“ stellt Genn weiter fest, dies sei nicht nur ein frommer Spruch, sondern ein Appell. „Überlassen wir den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit nicht nur den Politisch-Verantwortlichen! Erheben wir auch als Christinnen und Christen unsere Stimme für den Frieden!“ fordert der Bischof. Nötig sei eine „neue Friedensbewegung in allen Ländern guten Willens, die den Despoten unserer Zeit deutlich macht: Nicht Gewalt, Krieg und Terror werden das letzte Wort haben, sondern Friedfertigkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe.“

Kirche müsse es mehr "um die Menschen gehen"

Mit Blick auf die Situation in der deutschen Kirche erwähnt der Bischof den Missbrauchsskandal in der Kirche und die Vertuschung unzähliger Fälle durch Amtsträger sowie die Aktion #outinchurch von queeren Menschen, die in der Kirche arbeiten oder gearbeitet haben. Genn stellt klar: „Viele Christinnen und Christen sind zu Recht zutiefst enttäuscht und wütend über das Verhalten von kirchlichen Verantwortungsträgern.“ Außerdem hätten „viele Menschen unter Moralvorstellungen gelitten, die ihnen von der Kirche vorgelegt wurden.“

Angesichts dieser Situation brauche es „eine moralische Erneuerung der Kirche. Es darf keine ,die da‘-Gruppe mehr geben, auf die mit dem moralischen Finger gezeigt wird. Was es gibt, sind Glaubensgeschwister!“ Christinnen und Christen müsse es „um die Menschen gehen, nicht um die Institution Kirche und deren Glaubwürdigkeit.“ Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, sei kein Selbstzweck, allerdings könne nur eine glaubwürdige Kirche den Gemeinsinn fördern.

Gemeinschaft im Gespräch finden

Gemeinsinn statt Zerrissenheit wiederum sei das, was Kirche und Gesellschaft bräuchten. Tatsächlich aber bildeten sich Lager und Gruppen, die einander nicht zuhörten. Der Bischof ermutigt die Gläubigen dazu, sich auf den weltweiten Synodalen Weg einzulassen, zu dem Papst Franziskus unter unter den Stichworten „Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ eingeladen hat. Im Bezug auf eine Weisheit des heiligen Ignatius von Loyola rät Genn, die Position des jeweils Anderen zu retten, ehe man sie verdamme, beziehungsweise sie noch besser gar nicht zu verdammen. Das gelinge nur durch intensives Hören aufeinander. „Um den anderen Menschen wirklich zu verstehen, bin ich gerufen, beim Hören ganz aus mir herauszugehen, mich gewissermaßen in den Anderen hineinzubegeben, mich hineinzudenken und zu fühlen, um seine Meinung zu retten beziehungsweise, um noch einmal mit ihm in ein Gespräch zu treten, damit ich diese Meinung retten kann und besser verstehe“, schreibt der Bischof.

Das könne eine gute Fastenübung sein: „Sie führt zusammen, löst Blockaden, begibt sich mit dem anderen auf einen gemeinsamen Weg, um eine Lösung zu finden.“ Das sei kein Lösungsvorschlag für die erschütternden aktuellen Krisen, aber der Versuch eines Weges, „um in der Tiefe zueinander zu finden und uns weder in der Gesellschaft noch in der Kirche auseinander reißen zu lassen.“

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