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Kirchenkritik nach Missbrauchsstudie

Theologen der WWU: „Bischöfe müssen zurücktreten“

Münster

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Bistum Münster melden sich jetzt Lehrstuhlinhaber der katholisch-theologischen Fakultät der Uni Münster zu Wort. Sie rütteln mit ihrer Kritik an den Fundamenten der Kirche.

Nach der Missbrauchsstudie im Bistum Münster üben Theologinnen und Theologen der Uni Münster scharfe Kritik an der Kirche und auch explizit dem Bistum Münster. Foto: dpa

Professoren der katholisch-theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster haben jetzt bezweifelt, dass es die Katholische Kirche, explizit das Bistum Münster, nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens ernst mit dem geäußerten Reformwillen meine. Dieselbe Skepsis äußert der Leiter der Studie, der Historiker Prof. Thomas Großbölting.

Der international renommierte Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf erklärte am Dienstag in einem von der WWU verbreiteten Text, die Kirche müsse „das Strukturproblem, das den Missbrauch begünstigt, mit grundlegenden Reformen“ angehen und fordert explizit: „Zulassung verheirateter Priester, Weihe von Frauen, Einführung einer unabhängigen kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit, Wahl der Bischöfe vor Ort statt einer römischen Ernennung, Einführung synodaler Strukturen und die Übergabe der Finanzhoheit an die Laien.“

„Opfer müssen in den Mittelpunkt gestellt werden“

Die immer gleichen und stetig wiederkehrenden Entschuldigungen der Bischöfe nach der Veröffentlichung eines neuen Gutachtens überzeugten niemanden mehr, so Wolf weiter „Die Opfer müssen in den Mittelpunkt gestellt werden, und nicht nur in frommen Lippenbekenntnissen. Bischöfe, die Missbrauchstäter gedeckt haben, müssen zurücktreten. Die Täter sollten innerkirchlich und staatlich bestraft werden. In keinem Fall dürfen sie wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“

Prof. Marianne Heimbach-Steins und Prof. Dr. Hubert Wolf Foto: Uni Münster

Klerikale Macht muss strukturell begrenzt werden

„Sexueller und geistlicher Missbrauch ist immer Machtmissbrauch. Deshalb muss die klerikale Macht strukturell begrenzt werden“, meint Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, Direktorin des Instituts für christliche Sozialwissenschaften der WWU. Auch sie fordert, die Kirchenoberen müssten Macht abgeben und einer unabhängigen Kontrolle zustimmen – der münstersche Bischof Felix Genn habe immerhin angedeutet, dass er eine neue innerkirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit in seinem Bistum installieren werde. „Zudem gilt es“, ergänzt Heimbach-Steins, „die Sakralisierung des Priesteramtes zu dekonstruieren; der aus dieser Überhöhung resultierende Klerikalismus an der Basis muss als ein Ermöglichungsfaktor des Missbrauchs überwunden werden.“

Die WWU-Moraltheologin Prof. Dr. Monika Bobbert hebt jetzt die Notwendigkeit hervor, „dass sich die reformwilligen Kräfte durchsetzen.“ Hubert Wolf fürchtet allerdings, dass sich der Exodus aus der Kirche fortsetzt. „Wer jetzt die Zeichen der Zeit nicht erkennt, der ist von allen guten Geistern verlassen.“

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