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Erna Böckmann feiert am 101. Geburtstag auch noch den 100. Geburtstag nach

Blumen, Ständchen und ein Extra-Wunsch

Münster

Das gibt es nur ganz selten: Die Münsteranerin Erna Böckmann feierte am Donnerstag ihren 101. Geburtstag im Perthes-Haus. Zum 100. Geburtstag im vergangenen Jahr, als die erste Corona-Welle lief, hatte es noch ein musikalisches Ständchen auf Abstand gegeben. Jetzt kamen ihr Sohn, der bekannte Burgschauspieler Gerd Böckmann (77), und die Enkelin zur Feier. Ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Ehrentag in Münster!

gb/loy

Erna Böckmann (101) an ihrem Ehrentag mit ihrem Sohn, dem bekannten Burgschauspieler Gerd Böckmann (77), im Perthes-Haus Foto: privat

Erna Böckmann, geborene Tuschhoff, am 15. April 1920 in Wuppertal zur Welt gekommen, wollte eigentlich nicht 100 werden. Nun hat sie allerdings schon das 101. Lebensjahr überschritten – und findet es ganz in Ordnung, weiter am Leben teilzuhaben: „Ich bin zufrieden.“

Zu diesem Sinneswandel hat vor einem Jahr zum 100. Geburtstag möglicherweise das Blumenmeer in ihrem Zimmer beigetragen. Sowie das Ständchen des Klarinettisten Werner Raabe und seiner Frau (Geige) im Garten des Per­thes-Hauses vor weit geöffneten Terrassentüren. Der Musiker des Sinfonieorchesters Münster hatte in den 1980er Jahren noch Seite an Seite mit Ernas Mann, der ebenfalls Werner hieß, am Klarinettenpult gespielt. Eine gelungene Überraschung.

Richtig feiern freilich konnten Familie und Freunde die Jubilarin coronabedingt weder vergangenes noch dieses Jahr. Nur Sohn und Enkelin haben ihr nach den derzeit geltenden Vorschriften gratuliert und den Ehrentag in Münster mit ihr verbracht.

Von Chemnitz über Wuppertal nach Münster

Seit 1957 ist Münster Erna Böckmanns Zuhause. „Die beste Zeit meines Lebens“, sagt sie. Durch den Krieg erst nach Heiligenhafen an der Ostsee, wo sie in einer Bank arbeitete, dann nach Chemnitz in Sachsen verschlagen, heiratete sie 1943 Werner Böckmann und brachte 1944 dort ihren einzigen Sohn Gerhard, bekannt als der Schauspieler Gerd Böckmann, zur Welt. Als den Eheleuten Ende der 1940er Jahre klar wurde, dass sie von einer Diktatur in die andere geraten waren, flohen sie mit ihrem Sohn über die Zonengrenze zu Werners Eltern nach Wuppertal.

Sieben Jahre später erhielt Werner Böckmann die Stelle als Klarinettist im Sinfonieorchester der Stadt Münster, und so ließ sich die Familie an der schönen Promenade nieder. Auch nach dem Tod ihres Mannes 1994 bis kurz vor ihrem 95. Geburtstag lebte Erna Böckmann in der ehemals gemeinsamen Wohnung an der Gartenstraße und versorgte sich selbst. In das Perthes-Haus zog sie auf eigenen Wunsch. Dort fühlt sie sich wohl. Auch die Pandemie erträgt sie mit Gleichmut.

Großer Wunsch

Die hochbetagte Dame hat auch einen Wunsch: Dass sie ihren Sohn, den langjährigen Burgschauspieler, als Sprecher in Beethovens „Egmont“ erleben kann – ein Konzert unter Generalmusikdirektor Golo Berg, das im Beethovenjahr 2020 im Großen Haus geplant war und wegen der Theaterschließungen bislang nicht stattfinden konnte. Geimpft ist Erna Böckmann schon zum zweiten Mal. Aus ihrer Sicht kann es also losgehen.

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