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Josef Söltenfuß auf der Alexander von Humboldt II“

Bord-Bäcker auf dem Dreimaster

Münster

Bäcker Josef Söltenfuß wird im Frühjahr zur Besatzung eines Dreimasters gehören. Er backt kleine Brötchen an Bord.

Klaus Möllers

Auf hoher See lernen Trainees das Segel-Handwerk. Josef Söltenfuß (kl. Bild, Mitte) bringt sich im Küchen-Team bei der Verköstigung ein, wie Bilder von bisherigen Törns zeigen. Foto: at

Während sich hierzulande im März der Winter langsam zurückzieht, ist es in der Karibik – wie die meiste Zeit des Jahres über – mit rund 25 Grad Celsius angenehm warm. Dort, nördlich des Äquators, wird Bäcker Josef Söltenfuß im Frühjahr zur Besatzung eines Dreimasters gehören. Das deutsche Segelschulschiff „Alexander von Humboldt II“ unternimmt eine Ausbildungsfahrt in der Karibischen See. Mit Söltenfuß als Bord-Bäcker.

Der 56-Jährige genehmigt sich Urlaub für den Törn. „Am 4. Januar segelte das Schiff von Teneriffa aus los zu den Bahamas, nach Jamaika und nach Trinidad-Tobago“, sagt der Bäcker-Meister aus Münster.

Am 15. März dann geht Söltenfuß in Willemstad, der Hauptstadt Curacaos, an Bord. Ziel der Schiffsreise ist Cartagena in Kolumbien. „Den Kurs bestimmt der Kapitän. Es kann sein, dass wir ausschließlich auf See sind“, sagt Söltenfuß.

Bis zu 79 Personen können auf dem Großsegler des Eigners Deutsche Stiftung Sail Training mit Heimathafen in Bremerhaven untergebracht werden. „Es ist kein Kreuzfahrtschiff, aber ein Touristenschiff“, sagt Söltenfuß.

Einerseits gibt es eine feste Crew, mit Kapitän, Segelmeister, Maschinist, Matrosen und Schiffsarzt, andererseits die „Trainees“ – Gäste, die sich im Segeln ausbilden lassen und dafür bezahlen. Sie sind die wirtschaftliche Grundlage der Törns, wie die Stiftung in ihrem Eigenprofil darlegt.

„Auch die Crew arbeitet unentgeltlich“, erklärt der Handwerksmeister, der ein Café mit Bäckerei betreibt. Sie arbeiten ohne Bezahlung – so, wie er selbst. „Nach dem Motto: Arbeit gegen Koje. Sie wollen die Reise erleben.“ Nach Curacao übrigens fliegt er auf eigene Kosten.

In der Kombüse wird Söltenfuß frischen Teig anrühren und daraus Brot und Gebäck machen. „Meine Fähigkeiten als Bäcker sind auf der Reise gefragt“, erklärt er. Ansonsten arbeiten er und der Smutje – ein Gehilfe – dem Koch zu.

Zum Frühstück gibt es mal Rührei, mal Kaiserschmarrn oder Heringssalat bei Brötchen, Schnitten, Käse und Wurst. „Mittags kommt von Braten mit Kartoffeln und Gemüse bis zur Bratwurst und Pommes alles Mögliche auf den Tisch. Samstags Eintopf“, sagt er.

Crew und Trainer arbeiteten rund um die Uhr in drei Schichten. „Schön ist, dass man so in der Küche alle an Bord kennenlernt“, erzählt der Bäcker. Denn jeder habe mal Dienst in der „Backschaft“, also Tischdienst.

Josef Söltenfuß weiß das alles, weil er schon an Bord war: bei einem Trip mit der „Alexander-von-Humboldt II“ von Göteborg nach Hamburg, bei einem „Insel-Hopping“ zu den Kanarischen Inseln Teneriffa, Las Palmas und Gomera und bei einer Atlantik-Tour um die Iberische Halbinsel.

Während sich Crew und Trainees an Deck ums Segelhandwerk rund um den 32,90 Meter hohen Großmasten kümmern, wirkt Söltenfuß in der Küche, schläft in einer Dreier- oder Vierer-Kajüte oder hat Auszeiten, die er teils an Deck genießt.

„Beim Göteborg-Törn war die Nordsee in den ersten Tagen flach wie ein Enten-Tümpel – kein Wind, keine Wellen. Innerhalb von 24 Stunden kam ein Sturm mit vier bis sechs Meter hohen Wellen auf“, erinnert er sich. „Da haben die Herzoginnen-Kartoffeln im Backofen vom Schaukeln später an der Ofenscheibe geklebt.“

Angst vorm Sturm habe an Bord keiner. Seekrank werde er bei Sturm schon ein bisschen. Apropos Karibik: Für den Fall der Fälle ließ er sich schon vor Wochen gegen Gelbfieber, Hepatitis und Typhus impfen.

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