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Das Ganze empfinden

Chor-Workshop mit Maybebop-Leadsänger an der Friedensschule

Münster

A-capella-Sänger Jan Bürger besucht die Friedensschule für einen Workshop. Das Ergebnis des Tages kann sich sehen – oder besser, hören lassen.

Jan Bürger animiert hin und wieder, hält sich aber sonst zurück. Auch Julia Göbel gibt am Klavier nur selten Hilfestellung. Foto: rjg

Julia Göbel fühlt sich überflüssig. Und das stört die Chorleiterin und Musiklehrerin an der Friedensschule gar nicht. Im Laufe eines eintägigen Workshops am Montag hätten die Sängerinnen und Sänger des Oberstufenchores zueinander gefunden. „Dirigieren und Begleiten musste ich am Ende kaum noch“, sagt Göbel, als sie die Dynamik an diesem Probentag beschreibt. Und das, obwohl die Schülerinnen und Schüler teils noch nie gesungen hätten, bevor sie dem Chor der Jahrgangsstufe 12 beigetreten seien.

Seit 20 Jahren singt Jan Bürger bei der A-capella-Formation Maybebop. Die Gruppe, die sich mit einem bunten Genremix, originellen Arrangements und Improvisation auf Zuruf einen Namen gemacht hat, gibt dieses Jahr knappe 100 Konzerte. Der gut gefüllte Terminkalender hält den Countertenor nicht davon ab, seine Erfahrung an Nachwuchs und Amateure weiterzugeben. Seit einigen Jahren bietet Bürger Coachings an, bei denen neben Stimmbildung vor allem Bühnenpräsenz Rhythmusgefühl und das Empfinden des Chores als Ganzes auf dem Programm stehen. Ganz uneigennützig handelt er dabei nicht. „Die Szene braucht Nachwuchs“, stellt er halbernst lachend fest.

Die Zurückhaltung verschwindet

Das Resultat der wenigen Stunden Probenarbeit beeindruckt. Von der anfänglichen Zurückhaltung, die Bürger beobachtet habe, ist nichts geblieben. Stattdessen präsentiert sich ein Ensemble, das routinierter wirkt, als es eigentlich sein dürfte. Zu Beginn haben sich einige Solistinnen und Solisten im Raum verteilt. „Evening rise, Spirit come“ ist ein stimmungsvoller Einstieg für den Zuhörer und purer Nervenkitzel für die Solistinnen, die ganz alleine anfangen, bevor sich nach und nach die restlichen fünf Stimmen dazugesellen. Im Ohr kommt die Nervosität allerdings kaum an.

Strophe zum Ukraine-Krieg

Das Maybebop-Original „Lied vom Nicht-Verstehen“ hat Bariton Oliver Gies vor einem knappen Jahr um eine Strophe zum Ukraine-Krieg ergänzt. Aktueller denn je erklingt der Text über Dinge, die man nicht verstehen kann oder muss, eingepackt in satten, ausgewogenen Chorklang. Göbel erzählt, dass sie während der Probe zum Husten vom Klavier aufstehen und rausgehen musste. „Als ich wiederkam, stand da plötzlich ein richtiges A-capella-Ensemble.“

Auch in „Memories“ von Maroon 5 zeigt sich, dass die knapp 40 Sängerinnen und Sänger den gesuchten, gemeinsamen Groove gefunden haben. Noch einmal in Pathos und wogendem Klang baden – so endet mit „You raise me up“ das kleine Konzert und so auch der Workshop. Am Ende steht nicht nur schöner Klang. Die Begeisterung, die der sängerische Nachwuchs gezeigt hat, dürfte auch Bürger Hoffnung machen.

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