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Verein „Indro“

Corona bremst Drogenkonsumraum aus

Münster

Das klingt zunächst nach einer guten Nachricht: Deutlich weniger Menschen haben im vergangenen Jahr den Drogenkonsumraum des Drogenhilfevereins „Indro“ genutzt. Doch der Schein trügt: Die Corona-Pandemie bremst den Verein und sein Tun aus.

Der Drogenkonsumraum des Vereins "Indro" wurde im vergangenen Jahr weniger genutzt als noch im Vorjahr. Foto: dpa

Der Verein „Indro“ ist Betreiber des niedrigschwelligen Drogenhilfezentrums am Bremer Platz, das nach eigener Darstellung eine breite Palette an Überlebens- und Integrationshilfen für drogenabhängige Menschen anbietet.

Hierzu zählt laut Pressemitteilung auch der Drogenkonsumraum als Teil der Drogentherapeutischen Ambulanz, zu dem Indro jährlich einen separaten Jahresbericht vorlegt. „Auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie wurde die Arbeit des Drogenkonsumraumes aufgrund strenger Hygiene-, Infektions- und Arbeitsschutzauflagen spürbar ausgebremst“, so Indro-Leiter Ralf Gerlach bei der Vorstellung des Jahresberichtes.

Vor allem Opioide wurden konsumiert

Bedingt durch eine Verringerung der Konsumraumplätze betrug die Auslastungsquote gegenüber der Vor-Corona-Zeit laut Mitteilung gerade einmal 57,8 Prozent. Waren 2019 noch 20.022 Konsumvorgänge zu verzeichnen, so waren es 2021 nur 11.572, statt durchschnittlich 67 täglichen Nutzungen nur 38.

Indro-Leiter Ralf Gerlach Foto: pd

Bei den konsumierten Substanzen dominierten weiterhin Opioide mit einem Anteil von 67 Prozent vor Kokain und Crack mit 21 Prozent und Amphetamin mit 9,3 Prozent.

Vermehrtes Konsumgeschehen im öffentlichen Raum

„Längere Wartezeiten haben zu einem vermehrten Konsumgeschehen im öffentlichen Raum und oft hochriskantem Konsum unter unhygienischen Bedingungen geführt“, betonte Konsumraum-Koordinatorin Eva Gesigora. Details der Jahresbilanz: In 1096 Fällen wurde medizinische Hilfe geleistet, 1492 psychosoziale, 1338 „Safer-Use“- und 981 Beratungen von Patienten in Substitutionsbehandlung durchgeführt. Es gab 600 Weitervermittlungen in soziale Hilfen, 576 in die Drogentherapeutische Ambulanz, 372 an Ärzte und Krankenhäuser, 182 in Entgiftungs- und 76 in Substitutionsbehandlung sowie 79 an die städtische Drogenhilfe. In 45 Drogennotfällen konnte laut Indro das Überleben gesichert werden.

„Die lebensrettende Funktion eines Drogenkonsumraumes ist offensichtlich“, so Gerlach. Der öffentliche Raum sei 2021 durch Nutzung des Spritzentauschangebotes in der Drogentherapeutischen Ambulanz von etwa 125.000 gebrauchten Spritzen entlastet worden.

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