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Digitaler Alex-Talk

Corona-Spätfolgen für Körper und Psyche

Münster

Im Zuge der Corona-Pandemie ist mit Long Covid auch eine neue Krankheit aufgetaucht, die Ärzte und Kliniken herausfordert. Denn obwohl es täglich neue Erkenntnisse gibt, haben die verschiedenen medizinischen Disziplinen noch immer mit einer Menge Variabler zu jonglieren.

Von WN

Zahlreiche Zuschauer verfolgten den digitalen Alex-Talk zum Thema Long Covid. Hierbei beantworten Dr. Andreas Gröschel (l.) und Prof. Judith Alferink auch viele Fragen. Stefan Werding, Redakteur unserer Zeitung, führte als Moderator durch die Live-Sendung. Foto: Anja Große Wöstmann

Gedächtnisprobleme, Herzbeschwerden, Luftnot oder immer wieder bleierne Müdigkeit: Wenn Long Covid-Patienten ihre Beschwerden beschreiben, stehen häufig nicht nur sie selbst vor einem Rätsel und wünschen sich oft nur eines: „Wie bekomme ich mein altes Leben zurück?“.

„Für viele beginnt dann nicht selten eine wahre Odyssee von Facharzt zu Facharzt, um den Ursachen ihrer Beschwerden auf den Grund zu gehen“, weiß Univ.-Prof. Judith Alferink, Chefärztin des Alexianer-Krankenhauses Münster. Doch bis wirklich die Diagnose „Long Covid“ gestellt wird, ist es trotz täglich neuer Erkenntnisse noch immer ein weiter Weg.

Spezialambulanzen noch rar gesät

Beim jüngsten Alex-Talk erläuterte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit ihrem Kollegen Dr. Andreas Gröschel, Chefarzt für Innere Medizin und Pneumologie am Clemenshospital, die Spätfolgen für Körper und Psyche nach einer Sars-CoV-2-Infektion.

Noch sind die Ambulanzen oder Kliniken, die auf die Diagnostik und Behandlung von Long Covid spezialisiert sind, rar gesät. „Doch ich gehe davon aus, dass sich hier in naher Zukunft sehr viel tun wird, denn es ist ein großes Thema, das die gesamte Gesellschaft betrifft“, glaubt Alferink.

Sehr differenziert betrachtete die Leiterin der Forschungsgruppe Immun-Neurobiologie an der Klinik für psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Münster (UKM) die Reaktionen des Immunsystems bei einer Infektion und bemerkt: „Postvirale Syndrome wie die bei Long Covid sind uns auch von anderen Viruserkrankungen wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber, Ebola oder von Überlebenden der Spanischen Grippe bekannt“.

Depressionen und Angststörungen mögliche Folgen

Auch psychische Erkrankungen können häufiger auftreten, wie eine Studie mit 236 000 Patienten belege: „Demnach tauchten psychische Diagnosen, an erster Stelle Depressionen, Angststörungen oder auch psychotisches Erleben, häufiger auf als bei Patienten mit anderen Atemwegsinfektionen“.

Auf die vielfältigen körperlichen Spuren von Sars-CoV-2 blickte Gröschel, unter anderem Facharzt für Pneumologie, Intensivmedizin und Infektiologie: „Wir sind in Münster dank guter klinischer Aufstellung und diszipliniertem Verhalten vergleichsweise glimpflich durch die Wellen gekommen.“

Gleichwohl werde Omikron nun auch hier stark um sich greifen. „Doch es belastet die Lunge bei Weitem nicht so wie die vorherigen Varianten, sondern bleibt eher in den oberen Atemwegen“. Mit der dritten Impfung, aber auch der passiven Immunisierung über gut wirkende Medikamente sei man aktuell gut gerüstet.

Über 200 Zuschauer live dabei

Wie lang dauert Long-Covid maximal? Wie hängen Sars-CoV-2-Infektionen und Autoimmunerkrankungen wie Rheuma zusammen? Was halten Sie von der H.E.L.P-Apherese-Therapie? Viele Fragen der über 200 Zuschauer erreichten das Expertenteam über Chat und E-Mail. Am Ende stand fest: Long Covid ist noch immer eine Erkrankung mit vielen Unbekannten und der fachübergreifende Ansatz unerlässlich.

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