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Vorwürfe an Organisatoren

Winfried Nachtwei kritisiert Aufruf zum Ostermarsch

Münster

Nahezu ein Leben lang standen internationale Beziehungen und Frieden im Zentrum des Schaffens des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei. Doch den Aufruf zum Ostermarsch in Münster kritisiert er scharf.

Von Björn Meyer

Investitionen in die Bundeswehr standen im Kern der Kritik der Ostermarsch-Teilnehmer. Für Winfried Nachtwei ist die vorgetragene Sichtweise jedoch zu oberflächlich. Foto: Björn Meyer

15 Jahre lang war der Münsteraner Winfried Nachtwei (76) Bundestagsabgeordneter für die Grünen (1994 bis 2009), er fungierte unter anderem als Fraktionssprecher für Sicherheits- und Abrüstungspolitik. In den 80er- und 90er-Jahren war er zudem Aktivist der Friedensbewegung, noch heute ist er Mitglied einiger Friedensgruppen. Doch den Aufruf zum Ostermarsch, der am vergangenen Samstag vom Schloss in Münster aus mit knapp 200 Teilnehmen stattfand, kritisiert er scharf.

Dieser Aufruf sei für ihn ein Offenbarungseid, schreibt Nachtwei in einem Beitrag auf seiner Homepage. Der Friedensinitiative Münster, Teil von mehr als einem halben Dutzend Initiativen und (Gewerkschafts-) Verbänden, die zum Ostermarsch aufriefen, schrieb Nachtwei eigenem Bekunden nach eine Nachricht. „Systematische Kriegsverbrechen, kriegerischer Imperialismus – warum schweigt Ihr dazu?!“, heißt es unter anderem darin. Mehr noch: „Ihr verbreitet Halbwahrheiten und weicht Schlüsselfragen aus“, lautet Nachtweis Vorwurf an die Organisatoren des Ostermarschs.

Deutschlands Verteidigungsfähigkeit nicht gewährleistet

Im Gespräch mit unserer Zeitung formuliert Nachtwei diesen Vorwurf etwas milder. „Die krasse, neue Situation ist noch zu wenig bewusst.“ Und er stellt klar: Natürlich lasse sich um die Dimension der Investitionen ins Militär – Stichwort 100 Milliarden Euro – streiten, es gelte dabei aber einzubeziehen, wie es um die Bedrohung nord- und osteuropäischer Staaten und nicht zuletzt die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands bestellt sei.

„Ich glaube nicht, dass die Demonstrierenden wissen, dass nach den vergangenen Jahrzehnten von den einstmals rund 5000 deutschen Panzern nur noch 300 einsatzbereit sind“, sagt Nachtwei. Oder dass keine der deutschen Brigaden im Verteidigungsfall aus dem Stand voll einsatzfähig sei.

Es habe, so Nachtwei, eine „gigantische Abrüstung“ stattgefunden, auf der Basis – das räumt Nachtwei ohne jeglichen Vorwurf an irgendeine Partei ein – der falschen Annahme, dass „Kriege durch angreifende Invasoren mittelfristig ausgeschlossen“ seien. Alle hätten sich, was das angehe, geirrt, so Nachtweih, der sich ein weiteres Mal an die Ostermarsch-Organisatoren wendet.

„Unter der Überschrift ,Nicht vergessen’ praktiziert Ihr Vergessen gegenüber der ukrainischen Bevölkerung und ihren kollektiven historischen Erfahrungen, schreibt Nachtwei.

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