1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Das Cuttermesser war wohl doch nur eine Opiumpfeife

  6. >

Versuchte räuberische Erpressung

Das Cuttermesser war wohl doch nur eine Opiumpfeife

Münster

Mit einem Schuldspruch wegen „versuchter räuberischer Erpressung“ endete jetzt ein Prozess gegen einen 47-Jährigen vor dem Landgericht. Den Angriff mit einem Cuttermesser konnte man ihm nicht nachweisen.

Lukas Speckmann

Foto: dpa (Symbolbild)

Was hatte der Angreifer in der Hand, als er im vergangenen Juli in der Nähe des Hauptbahnhofs sein Opfer bedrängte? Ein Cuttermesser? Dann könnte man von „schwerem Raub“ sprechen. Oder war es doch etwas anderes – eine Opiumpfeife vielleicht?

Der 47-Jährige, der sich derzeit wegen dieses Überfalls vor dem Landgericht verantworten muss, hatte – wie berichtet – bei Prozessbeginn angegeben, nur seine Opiumpfeife als Drohmittel in der Hand gehalten zu haben. Das ebenfalls 47 Jahre alte Opfer sprach von einem roten Cuttermesser – und dieser Begriff hat sich nachhaltig in allen Köpfen festgesetzt. Er tauchte auch im Polizeibericht auf.

Niemand sonst hat ein Messer gesehen

Bei genauer Nachfrage allerdings konnte kein weiterer Zeuge den Einsatz eines solchen Messers bestätigen – auch nicht der Sozialarbeiter, nach dessen Einschreiten der Angreifer sich damals zurückgezogen hatte. Der dritten Strafkammer schien es deshalb angebracht, wenigstens einen Blick auf die ominöse metallene Opiumpfeife zu werfen; sie wird derzeit zusammen mit den anderen Habseligkeiten des wohnungslosen Angeklagten in der JVA Münster aufbewahrt. Es dauerte eine Weile, bis das Beweismittel zur Verfügung stand und begutachtet werden konnte.

„Keine korrespondierenden Verletzungen“

Ergebnis? Nicht ausgeschlossen. Was für die Pfeifen-Theorie spricht: Die fotografisch dokumentierten Verletzungen des Opfers waren „nicht korrespondierend“. Im Klartext: Bei einem Cuttermesser mit ausgefahrener Klinge wäre Blut geflossen. Danach sahen die Verletzungen wirklich nicht aus.

Der Angeklagte, der nach eigener Aussage nur alte Schulden eintreiben wollte, hatte von seinem in einen Hauseingang gedrängten Opfer noch halbwegs freiwillig einen 20-Euro-Schein erhalten. Erst danach wurde der Angreifer wirklich rabiat; zog sich dann aber ohne Beute zurück.

Glück für ihn. Denn so wurde aus dem „schweren Raub“ letztlich eine „versuchte räuberische Erpressung“. Das Urteil: zweieinhalb Jahre Haft.

Die Kammer hatte außerdem darüber zu befinden, ob der Angeklagte eine Entzugstherapie zu machen habe. Das wurde mangels Erfolgsaussicht verworfen.

Startseite
ANZEIGE