Antiquariat „Bibliotheca Rara“ schließt nach über 30 Jahren

Das Ende einer Lexikon-Legende

Münster

Nach über 30 Jahren ist Schluss: Das Antiquariat „Bibliotheca Rara“ am Rosenplatz wird Ende Mai zum letzten mal öffnen. Doch der Grund für die Geschäftsaufgabe ist ein anderer, als man in der aktuellen Zeit vermuten würde.

Joel Hunold

Hans Dieter Blatter hat gemeinsam mit seinem Sohn das Lager auf Vordermann gebracht, um von dort einen Bücher-Ausverkauf starten zu können. Foto: Oliver Werner

Nein, das Geschäft werde nicht wegen Corona geschlossen, betont Julian Blatter, Sohn von Hans Dieter Blatter, dem Inhaber der „Bibliotheca Rara“. Der Sohn und sein Bruder Frederic Blatter helfen dem Vater aktuell, das Antiquariat für dessen letzten Tage auf Vordermann zu bringen.

Denn am 27. Mai ist Schluss in der besonderen Buchhandlung am Rosenplatz, die sich auf Lexika und sogenannte Faksimiles, also originalgetreue Nachbildungen mittelalterlicher Bücher, spezialisierte hat.

Das Ende einer Ära

„Ich wollte schon vor zwei Jahren aufhören“, berichtet Hans Dieter Blatter. Doch ein Großauftrag habe ihn dazu bewogen, ein paar Monate länger zu machen. „Eigentlich bräuchte ich gar nicht zumachen, es läuft noch immer gut“, erzählt Blatter.

Doch er, der die „Bibliotheca Rara“ über 30 Jahren geleitet hat, schiebt hinterher: „Irgendwann ist eben Schluss.“ Da seine Söhne das Antiquariat, trotz der aktuellen Mithilfe, nicht dauerhaft übernehmen wollen, neigt sich die Ära eines münsterischen Urgesteins seinem Ende entgegen. Zumindest fast: „In zwei Wochen bringen wir alles aus dem Laden hinten ins Lager“, berichtet Blatter.

Rund 5000 Bücher

Dort werde es, wahrscheinlich samstags, weiterhin einen Ausverkauf geben. Und das Lager an Faksimiles, Brockhausbänden und Werken der Encyclopædia Britannica ist groß: „Grob geschätzt dürften das rund 5000 Bücher sein“, sagt Julian Blatter. Viele Bücher gebe es bereits für einen Euro. „Besonders die Jahrbücher der Encyclopædia Britannica sind beliebt. Viele kaufen sich ihren Geburtsjahrgang“, erzählt Hans Dieter Blatter.

Hans Dieter Blatter

Zudem bleibe der Online-Shop erreichbar, auch wenn dort nur höherpreisige Faksimiles angeboten werden. „Ich werde keine Bücher wegschmeißen, lieber gebe ich sie für gemeinnützige Zwecke“, so Blatter senior.

Trotz der Geschäftsaufgabe werde er sich nicht in den Ruhestand verabschieden, sondern am Vertrieb von Faksimiles festhalten – nur eben aus dem Homeoffice heraus. „Man darf es nicht übertreiben, aber es macht ja weiterhin Spaß“, erzählt er. Schließlich führe ihn dieser Teil der Arbeit oft zu den Manufakturen nach Spanien oder Italien.

Am Ende will Julian Blatter noch Werbung für den Ausverkauf machen: „So eine Bücherreihe eignet sich hervorragend für den Hintergrund bei Videokonferenzen“, erzählt er lachend.

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