Münsteraner entwirft seit 25 Jahren PC-Spiel

Das Projekt seines Lebens

Münster

Alles begann mit ersten Skizzen im Zug: Vor 25 Jahren fing der Münsteraner Ingo Stuckenbrock an, ein Computerspiel zu entwickeln. Ein Vierteljahrhundert und viele Technik-Zeitalter später steht er vor der Vollendung seines Lebensprojektes – doch ob der Traum wirklich wahr wird, hängt noch von ein paar wichtigen Faktoren ab.

Pjer Biederstädt

Ingo Stuckenbrock hofft, sein PC-Spiel bald auf den Markt bringen zu können. Foto: Pjer Biederstädt

Ingo Stuckenbrock entwickelt ein Computerspiel. Allein das ist ungewöhnlich genug. Schließlich sitzt daran sonst nicht bloß eine Person, sondern eine ganze Armada von Programmierern und Designern. Doch damit nicht genug: Der Münsteraner arbeitet nicht hauptberuflich an dem Spiel, sondern nebenher in seiner Freizeit – und das seit fast 25 Jahren.

Stuckenbrocks Leidenschaft für Computer begann schon als Kind. Mit dem Commodore 64 fing alles an. „Völlig fasziniert war ich von der Spiele-Reihe ‚Monkey Island‘ und eigentlich allen Lucas-Arts-Spielen“, erinnert sich der heute 48-Jährige.

Im Zug an der Idee gefeilt

Es folgten erste Programmierversuche. Die Idee für das Spiel, das den Arbeitstitel „Of pawns and kings“ („Von Bauern und Königen“) trägt, hatte er aber erst 1996 als Student. „Ich bin damals immer mit dem Zug zwischen Emsdetten und Münster gependelt. In der halben Stunde habe ich an der Geschichte gefeilt und Skizzen gemalt“, erzählt Stuckenbrock.

Durch Welten reisen und Rätsel lösen

Das Fantasy-Spiel gehört in die Kategorie „Point-and-Click-Adventure“. Es handelt von einem 17-Jährigen, der nach und nach hinter ein Familiengeheimnis kommt. Auf dem Weg zur Rettung seiner Liebsten muss er durch verschiedene Welten reisen, Rätsel lösen, und schließlich alles auf eine Karte setzten. „Mehr wird aber noch nicht verraten. Nur so viel: Auch wenn der Titel es vermuten lässt, man muss für das Spiel kein Schach beherrschen“, sagt Stuckenbrock.

2007 stellte er – mittlerweile selbstständig mit einer Firma für Architektur-Visualisierung – erstmals einen Prototyp bei der Spielemesse Gamescom, damals noch in Leipzig, vor. „Da bewegte sich noch ein 3D-Charakter vor einem 2D-Hintergrund. Heute ein Witz, damals technisch absolut auf der Höhe der Zeit“, sagt Stuckenbrock. Er hatte zwei Vertragsmöglichkeiten, doch die Angebote kamen eher Knebelverträgen gleich, bei denen die Herausgeber viel, er wenig profitiert hätten.

Ingo Stuckenbrock

13 Jahre und mindestens ein Technik-Zeitalter später will der dreifache Familienvater seine stark weiterentwickelte Herzensangelegenheit endlich auf den Markt bringen.Was noch fehlt? Etwas Zeit und Geld. Er verhandelt zur Zeit mit Herausgebern über eine Kooperation und bewirbt sich aktuell bei dem Epic Megagrant, der Games-Förderung des Landes NRW, und einem neuen Bundesfördertopf um finanzielle Mittel. Mit denen will er drei bis vier Mitarbeiter einstellen. „Allein kann ich das in einem Jahr nicht schaffen“, sagt Stuckenbrock.

Auch wenn er mit seinen Kindern Lisa, Frida und Jan schon „die größten Fans und Kritiker“ in seinem Team hat, hätte er gerne neben Daniel Gense, der im Zuge seiner Bachelorarbeit an der Design-Fachhochschule schon einen Charakter umgesetzt hat, und Fabiola Prete, die die Charaktere gezeichnet hat, weitere Mitstreiter. „Ich hoffe sehr, dass es klappt“, sagt Stuckenbrock. Schließlich soll das Projekt seines Lebens zu guter Letzt doch noch das Licht der Welt erblicken.

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