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Mehr Touren auf dem Rad als im Pkw

Das Rad auf der Überholspur

Münster

Münsters Radler schlagen Rekorde. Erstmals überholte bei einer Verkehrserhebung die Zahl der Radler die der Autofahrer in Münster. Rund 39 Prozent aller Touren unternehmen Münsteraner per Rad, nur 29 mit dem Auto. 1982 war das exakt anders herum.

Günter Benning

Radler fahren in Münster am häufigsten. Tendenz in den letzten 30 Jahren: stark steigend. Foto: Matthias Ahlke

Es klingt sensationell: Erstmals seit 1982 nehmen Münsteraner öfter das Fahrrad als das Auto, um von A nach B zu kommen. 39 Prozent aller Wege in der Stadt werden geradelt. „Ein Spitzenwert in Deutschland“, heißt es im Bericht über die aktuelle Haushaltsbefragung, die im Herbst 2013 stattfand. Mit privaten Pkw werden nur 29 Prozent der Wege zurückgelegt – Tendenz rückläufig.

Radanteil vier mal höher als in deutschen Kernstädten

Der Radanteil liegt im Vergleich mit bundesdeutschen Kernstädten viermal so hoch. Hier sind 48,2 Prozent der Mobilen im Kfz und nur 9,8 Prozent mit dem Rad unterwegs.

Allerdings: Auch wenn die Bedeutung von Pkw-Fahrten abnimmt, werden immer noch 39 Prozent aller von Münsteranern gefahrenen Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Schließlich greift man dann zur motorisierten Beförderung, wenn die Strecke länger wird. Pkw-Fahrten sind im Schnitt 15,8 Kilometer lang, Fahrradfahrten 2,9 Kilometer, Bustouren 8,9 Kilometer und Fußwege rund 700 Meter.

Die Quote von Münsteranern, die zu Fuß, per Rad und Bus unterwegs sind, beträgt 71 Prozent. „Das beweist“, so Verkehrsplaner Michael Milde, „dass sich Münsteraner sehr umweltbewusst verhalten.“

31 Stundenkilometer mit dem Pkw

Interessant ist auch – vor allem mit Blick auf die Tempodebatten in der Stadt – die Durchschnittsgeschwindigkeit der verschiedenen Fortbewegungsmittel. Das Fahrrad kommt auf 13 km/h, das Auto auf 31 km/h, der Busnutzer auf 16 km/h. Erklärung: Fußwege (zum Parkplatz) und Wartezeiten (vor Ampeln) wurden mit hereingerechnet – da schmilzt der Vorteil der Motorisierten schnell dahin.

Möglicherweise werden künftige Generationen von Radlern einen Zacken zulegen. Mittlerweile befindet sich in fünf Prozent der Haushalte ein Elektrobike. Auch hier: steigende Tendenz. Drei Viertel der Haushalte haben mindestens ein Auto, in jedem Haushalt gibt es im Schnitt 2,3 Fahrräder. Nur acht Prozent besitzen kein Rad.

Spannend ist eine Zeitreise. 1982 fanden 39,2 Prozent aller Fahrten mit dem Kfz statt. 29,2 Prozent per Rad. 2013 hat sich das Verhältnis exakt umgedreht (29% Auto, 39,1% Rad). Die meisten Wege in Münster führen zur Arbeit oder in die Schule. Wer überhaupt mobil ist, verbraucht täglich etwa 75 Minuten für seine Wege.

Eine kleine Einschränkung: Die Studie untersucht das Verhalten der Münsteraner – nicht im Blick sind die Pendler, die per Bahn, Bus und Auto in die Stadt kommen, sie machen 60 Prozent des Verkehrs aus. Planungsamtsleiter Christian Schowe: „Man muss sich mal vorstellen, wie es wäre, wenn die Münsteraner nicht so viel Rad führen.“ 

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