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Neue Ambulanz am UKM

Den Langzeitfolgen nach Intensivbehandlung den Kampf ansagen

Münster

Wenn das Leben von schwer kranken Patienten durch eine Intensivtherapie gerettet wird, heißt das noch lange nicht, dass sie sich schnell wieder gut fühlen. Das UKM hat eine Ambulanz eröffnet, um Menschen mit Langzeitfolgen zu helfen. Unter ihnen sind auch ehemalige Covid-Patienten.

Von Karin Völker

Karl Liesenklas (M.) leidet nach einer elfwöchigen Intensivbehandlung immer noch an den Spätfolgen. In der neuen, von Dr. Melanie Meersch-Dini (l.) geleiteten und Prof. Alexander Zarbock (r.) gegründeten Ambulanz, soll Patienten wie ihm besser geholfen werden. Foto: Karin Völker

Hirnoperation, Intensivstation, Lungenembolie, Nierenversagen, wochenlange Beatmung: Karl Liesenklas ist über zwei Jahre nach seiner schweren Krankheit zuerst immer noch einfach froh, dass ich noch lebe“, wie er sagt.

Aber der 57-Jährige aus Recklinghausen leidet immer noch unter den Spätfolgen der elfwöchigen Intensivbehandlung im Universitätsklinikum Münster (UKM), Nierenprobleme und neurologische Störungen plagen ihn weiterhin. Deshalb hatte Karl Liesenklas am Dienstag wieder einen Termin am UKM. Dort hat in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie eine Ambulanz für Intensivpatienten mit Langzeitfolgen ihrer Behandlung eröffnet. Die zweite in Deutschland neben der Charité in Berlin, wie Prof. Dr. Alexander Zarbock, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, sagt.

"Schauen auch auf emotionalen Zustand der Patienten"

Patienten wie Karl Liesenklas werden in der neuen Ambulanz ganzheitlich untersucht. Wie arbeiten die Organe, wie Kreislauf und Nervensystem? Gibt es Konzentrationsprobleme oder Gedächtnisschwierigkeiten? „Alles gesundheitliche Probleme, die noch lange nach einer Intensivbehandlung anhalten können“, erklärt Privatdozentin Dr. Melanie Meersch-Dini, leitende Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie am UKM, die die Leitung der neuen Ambulanz übernommen hat. „Wir schauen auch auf den emotionalen Zustand der Patienten“, ergänzt Meersch-Dini.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Am UKM werden jährlich rund 3500 Patienten nach operativen Eingriffen mehr oder weniger lange auf einer Intensivstation behandelt. Hinzu kommen all jene neurologischen und internistischen Patienten, die intensiv behandelt werden müssen.

Ambulanz erwartet ehemalige Covid-Patienten

Zu den Patienten der neuen Ambulanz zählte auch ein ehemaliger Covid-Patient, berichtet Alexander Zartbock. Er rechnet fest damit, dass der Mann nicht der einzige bleiben wird. „Viele der schwer erkrankten Covid-Patienten müssen viele Wochen beatmet, ihr Herz-Kreislaufsystem künstlich aufrecht erhalten werden. Ein chronisches Nierenversagen etwa sei nicht selten Folge einer solchen, zunächst einmal lebensrettenden Intensivtherapie.

Zuerst in die Reha, dann in die Ambulanz

Die Idee für die Ambulanz sei aber unabhängig von den vielen Intensivbehandlungen von Covid-Patienten entstanden. Vielmehr habe eine Studie gezeigt, das 90 Prozent der ehemaligen lang behandelten Intensivpatienten auch lange danach noch eine oft nicht erkannte eingeschränkte Nierenfunktion hatte. Zarbock: „In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Hausärzten hoffen wir, deren Gesundheit verbessern zu können.“

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