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Münsters Skulptur-Projekte

Der Aufbau hat begonnen

Münster

Nein, dies ist keine Osterhasen-Geschichte. Hier geht‘s um Kunst. Die Skulpturen-Ausstellung nimmt Form an.

Gerhard H. Kock

Münsters Kleingärtner haben ihre Arbeit gemacht. Im roten Haus der Kleingartenanlage „Mühlenfeld“ werden ab 10. Juni die Tagebücher gezeigt, die sie seit zehn Jahren für den Künstler Jeremy Deller führen. Am Ludgerikreisel kündigen derweil rote Pflöcke die Arbeit von Lara Favaretto an, und an der Oberfinanzdirektion wird wieder eine Mauer gebaut. Das freut den künstlerischen Leiter Kasper König. Foto: Gerhard H. Kock

Stell’ Dir vor, in acht Wochen sind Skulptur-Projekte, und es ist noch nix zu sehen. Immerhin wird schon eine Mauer gebaut, ein paar Pflöcke wurden in den Boden gerammt, und es haben viele Workshops stattgefunden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es tut sich also was im Verborgenen. Die Stille passt zur Haltung. Kasper König: „Die Verlangsamung ist wichtig.“

„Wer alles sehen will, sollte drei Tage einplanen“

Also weg von Hetzerei und Hysterie. „Wer alles sehen will, sollte drei Tage einplanen“, empfiehlt Skulptur-Projekte-Sprecherin Jana Duda. Und auch inhaltlich lautet die Richtung Gelassenheit. Man wolle keine Skandälchen provozieren, hoffe aber natürlich auf Kontroversen, so König. Als Maxime ruft der künstlerische Leiter der Skulptur-Projekte in Erinnerung: „Wir kaprizieren uns auf ästhetische Fragen und nicht auf tagespolitische oder ideologische.“

„Mach mir den Denker von Rodin!“

Und der Begriff „Schönheit“ wird wieder ausgedehnt. Ein Drittel der Arbeiten wird performativ, also ein Spiel im öffentlichen Raum sein. So bereitet Xavier Le Roy einige Münsteraner in Workshops auf kultivierten Exhibitionismus vor. Sie sollen vom 10. Juni bis 1. Oktober spontan mit wildfremden Passanten ins Gespräch kommen, Skulpturen werden: „Mach mir den Denker von Rodin!“

Interaktiv, lehrreich und amüsant

Interaktiv, lehrreich und amüsant könnte es mit An­dreas Bunte werden. Er wird Plakate im Stadtraum aufhängen, die via Smartphone eingescannt werden können. Dann laufen schulfilmartige Videoclips ab, „die die Leute schmunzeln lassen“, so König.

Großformatige Pyrografien

Apropos Plakate: Samuel Nyholm ist seit Kurzem prominent am Landesmuseum zu sehen. „Sany“ wird an verschiedenen Stellen in Münster und der Skulptur-Projekte-Satellitenstadt Marl großformatige Pyrografien aufhängen. Die comicartigen Figuren setzen sich oft humorvoll mit dem Kunstbetrieb auseinander. Darüber hinaus zeichnet der Schwede auch für Motive auf Tragebeuteln, Aufklebern und Bannern verantwortlich.

Der erste Skulpturen-Aufbau

Der erste Skulpturen-Aufbau wird am Donnerstag nächster Woche an der Oberfinanzdirektion vorgestellt. Der Bau mit seiner markanten Treppe und seinen Pavillons aus den 60er Jahren wurde zum Bedauern von Kasper König und Co. komplett abgerissen. Christian Odzuck baut die OfD unter anderem mit Abriss-Resten gleichsam wieder auf – als Erinnerung mit kritischem Touch. Eine Mauer steht schon und eine Laterne.

35 künstlerische Positionen

Es gibt ferner ein Wiedersehen mit drei früheren Skulptur-Projekte-Teilnehmern: Ayse Erkmen, Thomas Schütte und Nairy Baghramian. Erkmen lässt im Hafen Besucher über Wasser laufen. Bagh­ramian wird vor und hinter dem Erbdrostenhof eine fünf Meter hohe „Dirigenten-Geste“ aufstellen. Schütte stellt eine Obst-Säule in Marl auf: aus Beton, zehn Prozent größer und mit Melonenstücken. Aus Marl kommt dafür an den Aegidiimarkt „Angst“. So heißt die Neon-Arbeit von Ludger Gerdes („Schiff für Münster“, 1987).

Insgesamt werden 35 künstlerische Positionen realisiert werden – viele erst kurz vor knapp. Das hat bei den Skulptur-Projekten Tradition – seit 1977.

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