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In Münster hat Bier eine lange Geschichte

Der Bierkrieg von 1895

Münster

Nicht bloß Gold, Silber und christlicher Glaube wurden in Münster früh als wertvolle Schätze gepflegt und gehütet – auch das Bier nahm eine erstaunliche Bedeutung in der Domstadt ein. Zeitweilig stammten sogar zwei Drittel der Einnahmen des städtischen Haushalts vom Brauen und Verkauf des Gerstensafts, heißt es in der lokalen Historie.

Klaus Möllers

Das „Gruethaus“ stand im heutigen Rathausinnenhof, erklärte Historiker Timm Richter – dort wurden Brau-Würze verkauft und Steuern eingenommen. Bei der Führung geht es auch um moderne Bier-Varianten in hiesigen „Probierstuben“. Foto: klm

Eine neue Tour des Vereins Statt-Reisen zeigt Spuren des Bierbrauens in Münster auf. Anlass ist das 500-jährige Bestehen des deutschen Reinheitsgebotes und das 200-jährige der Brauerei Pinkus, der einzig verbliebenen Original-Brauerei in der Stadt von einstmals um die 100 Kleinbrauereien.

So mag nahezu jeder Münsteraner schon einmal rechts am historischen Rathaus entlang in den Rathausinnenhof gegangen sein und den Namen dieser Gasse nicht kennen. Gruetgasse heißt sie, benannt nach einer alten Gewürz- und Kräutermischung, dem ­Gruet. Mit deren Hilfe wurde schon im Mittelalter Bier gebraut, erklärte Historiker Timm Richter bei der Auftaktführung am Sonntag.

Denn im Rathausinnenhof stand das „Gruethaus“, wies Richter auch anhand alter Schriften und Abbildungen nach. Dort wurde die Gewürzmischung unter städtischer Aufsicht verkauft und gleichzeitig auch noch die Gruet-Bier-Steuer in den Stadtsäckel eingestrichen.

Die eineinhalbstündige Tour zu Fuß durch die Altstadt bietet einen Blick in die Geschichte bis ins Mittelalter, einschließlich des sogenannten Bier-Krieges im Jahr 1895: Wegen ausufernder Trinkgelage in den Bier-Stuben rief Münster damals eine Sperrstunde ab 23 Uhr aus, erklärte Richter. „Die Polizei warf die armen, verwirrten Zecher raus“, kommentierte er humorvoll. Doch auf dem Prinzipalmarkt sei das Gelage weitergegangen: „Sie füllten Bier in Sechs-Liter-Krügen ab, einige brachten Fässer mit, ein anderer verkaufte Flaschenbier.“ Sogar die Präsidialverwaltung sollte gestürmt werden, sagte Richter. Schließlich sei die Sperrstunde in Münster wieder aufgehoben worden.

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Weitere Termine für den Rundgang „Der große Durst“: 11. Juni, 15 Uhr und 28. Juli, 19 Uhr; Treffpunkt ist jeweils das Hauptportal der Überwasserkirche.

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