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20. Straßenfest am Breul

„Der Breul bleibt“

Münster

Am Anfang haben sie dafür gekämpft, dass ihre Häuser nicht abgerissen wurden – heute können sie ihr traditionelles Straßenfest einfach nur entspannt feiern.

Martina Döbbe

Freuen sich auf ihr Fest:  (v.l.) Sebastian Bertuleit, Madita Berends, Holger Hüwe und Dr. Bernd Drücke. Foto: Oliver Werner

Dr. Bernd Drücke ist ein Mann der ersten Stunde. Schon 1990 wohnt er am Breul, ist mittendrin in der Initiative, die sich mit Händen und Füßen gegen den Abriss der ältesten Arbeitersiedlung dort wehrt. Mit Erfolg. Schon damals gehörte neben Protestkundgebungen und Demos das Breul-Tibus-Straßenfest zum Aktionsplan, mit dem die Bewohner auf sich, auf ihre bedrohten Wohnungen und auf die Neubaupläne an dieser exponierten Stelle aufmerksam machten. „Da waren auch schon mal tausend Leute bei unseren Festen“, erinnert Bernd Drücke sich gut. Ob es am Samstag (16. September) auch so viele werden? Dann nämlich ist um 15 Uhr Auftakt zum 20. Straßenfest am Breul – mit Musik, Kaffee, Kuchen, Wraps und Wurst, aber auch mit vielen Infoständen, einer Tombola und einem Kinderklamottenflohmarkt.

Längst müssen die „Breuler“ nicht mehr für ihre Häuser kämpfen, längst gehört der inzwischen sanierte Komplex wie selbstverständlich zum Straßenbild, hat Preise bekommen und wird oft genug als idyllisches Fleckchen in unmittelbarer Citynähe gern auch von Touristen fotografiert und begutachtet. Das selbst verwaltete Wohnprojekt steht aber nach wie vor für seine Wurzeln: bezahlbarer Wohnraum und solidarische Nachbarschaft in der Innenstadt – und dieser Geist soll durchaus auch am Samstag wieder aufleben.

Denn längere Zeit war es eher ruhig um den Bereich Breul 32 bis 38 und Tibusstraße 30 a und b. Nachdem sonst immer jährlich ein Straßenfest im Kalender stand, trat Pause ein: „Nach vier Jahren soll es jetzt aber am Samstag so fröhlich rundgehen wie in alten Zeiten“, freuen sich auch Madita Berends, Sebastian Bertuleit und Holger Hüwe auf das bevorstehende Fest – zu dem nicht nur die Anwohner, sondern alle eingeladen sind, die Spaß haben, zu klönen, Leute zu treffen, Musik zu hören, zu tanzen und vielleicht auch ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen.

Davon gibt es reichlich. Erzählungen, wie man dem Investor die Stirn geboten habe, um den Abriss der etwa 1880 gebauten Häuser zu verhindern – Klagen und Gegenklagen, Prophezeiungen , das Unternehmen wolle „nicht vermieten, sondern entmieten“, die sich nicht erfüllten und auch der Umschwung, der 1994 beginnt, als in Münster Rot-Grün die Kommunalwahl gewinnt und ihr Versprechen einlösen muss: „Der Breul bleibt.“ Die Bewohner ziehen für die Zeit der Sanierung ein Jahr aus, packen selbst mit an – und sind heute stolz, dass es zudem gelungen ist, die Häuser ökologisch zu sanieren.

Straßenfest am Breul

Es ist das 20. Straßenfest am Breul – und zu diesem Jubiläum wird an all das angeknüpft, was schon früher immer Anklang gefunden hat: Musik, Spaß für Kinder, gemeinsam essen, trinken, tanzen: Am Samstag (16. September) beginnt um 15 Uhr das Straßenfest, zu dem die Bewohner und der „Verein zur Erhaltung preiswerten Wohnraums“ einladen.

Auf dem Musikprogramm stehen Namen wie Morina Miconnet (Folkrock), „Kaum ein Vogel“, Randall Flaggs, Orangepeeler und Kosmonovski.

Das Straßenfest, das machen die Veranstalter besonders deutlich, ist ausdrücklich nicht kommerziell, sondern soll vor allem denen, die dort wohnen, und denen, die als Gäste vorbeikommen, einfach Spaß machen. Auch Infostände zum Beispiel der B-Side und der Elterninitiative sind vor Ort, es gibt eine Tombola und auch einen Kinderklamottenflohmarkt.

2013 wurde das letzte Straßenfest dort gefeiert – jetzt soll die lange Pause zu Ende sein.

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