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WN-Spendenaktion: Ghana

Der Hoffnung eine Chance geben

Münster

Die Gemeinde „Liebfrauen-Überwasser“ pflegt seit zehn Jahren eine Partnerschaft zur Gemeinde „Christ The King“ im Norden Ghanas. Die Mitglieder des Ghana-Teams waren schon oft vor Ort – sie erlebten viel Armut und viel Hoffnung.

Von Lukas Speckmann

Zehn Euro im Monat kostet der Schulbesuch der Christ-the-King-Schule in Gushegu; das Ghanateam der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser hilft vielen armen Familien bei der Finanzierung. Foto: Ghana-Team

Es war nur ein Schluck Wasser – aber er wäre Maria Buchwitz fast im Hals steckengeblieben. Nach drei Stunden auf einem Plastikstuhl unter afrikanischer Sonne musste sie dringend etwas trinken: Sie trat an den Rand des Dorfplatzes von Dombeni, holte die Plastikflasche aus der Handtasche, schraubte sie auf und setzte sie an.

20 große Augenpaare sahen zu. 20 Kinder, die offensichtlich das bisschen Trinkwasser aus der Plastikflasche für eine unvergleichliche Kostbarkeit hielten. Das war es sicher auch, meint Maria Buchwitz – den Kindern steht nur Wasser aus Brunnenlöchern zur Verfügung, aus denen sie selbst kaum trinken könnte. Der Inhalt der Flasche war schnell verschluckt, mehr hatte sie nicht. Kein gutes Gefühl, so privilegiert zu sein.

Große Armut, positive Stimmung

Ghana ist arm, der Norden erst recht. Zwar gilt das westafrikanische Land als relativ stabil – kein Vergleich zu Nachbarstaaten wie Burkina Faso oder Niger. Aber was heißt das schon für mitteleuropäische Maßstäbe? Die Landwirtschaft ist bescheiden, das Bildungssystem fragil, die Infrastruktur nicht der Rede wert. Maria Buchwitz und die anderen Mitglieder des Ghana-Teams haben bei ihren Reisen auch großes Elend gesehen. Nicht zuletzt Kinder mit Hungerbäuchen – eine Folge von Mangel und einseitiger Ernährung. Und doch waren sie berührt von der positiven Stimmung: „Es ist viel Hoffnung in der Luft“, sagt Teamsprecherin Maria Buchwitz. „Da sind viele junge Leute, die etwas aus ihrem Leben machen wollen, aber wenig Chancen haben.“

Diese Chancen zu verbessern: Genau dafür setzt sich das Ghana-Team der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser seit zehn Jahren ein.

Die größte und ärmste Gemeinde im Bistum Yendi

Warum Ghana? Weil das Bistum Münster seit fast 40 Jahren den fünf nordghana­ischen Diözesen verbunden ist, 34 Gemeindepartnerschaften gibt es derzeit. Vincent Boi-Nai, der Bischof von Yendi, suchte 2011 dringend Partner für die von Steyler Missionaren betreute Gemeinde „Christ The King“ in Gu­shegu, denn es ist die größte und ärmste Gemeinde im Bistum. Die frischgegründete Gruppe aus Gievenbeck nahm die Herausforderung an. Seit zehn Jahren ist Liebfrauen-Überwasser mit „Christ the King“ verbunden, es gab Besuche und Gegenbesuche, viele Projekte wurden gemeinsam auf den Weg gebracht.

Gushegu ist ein 30 .000-Einwohner-Ort im Nordwesten. Christen sind in dieser muslimischen Gegend in der Minderheit, deshalb ist das Gemeindegebiet von „Christ the King“ riesig. Manche Dörfer, die „outstations“, sind 60 Kilometer vom Missionshaus entfernt. Wer Ghanas Straßen kennt, weiß: Das ist eine halbe Tagesreise.

Bis Dombeni, dem Dorf mit der Wasserflasche, sind es nur 25 Kilometer – aber es liegt abseits genug. Mit Unterstützung aus Münster konnte dort eine kleine Kapelle gebaut werden. Das Gebäude, dessen stundenlange Einweihung mit Musik und Tanz die Münsteraner als Ehrengäste erleben durften, ist für die Gemeinde von unschätzbarem Wert: Als Versammlungsort, aber auch als Zeichen ihrer Präsenz in der Region. „Christ the King“ ist eine Instanz, und auch bei den muslimischen Nachbarn hoch angesehen.

Einweihung der vom Ghana-Team Liebfrauen-Überwasser finanzierten Kapelle in Gushegu Foto: Ghana-Team

Das Ghana-Team unterstützt „Christ the King“ bei Selbsthilfeprojekten für die Ärmsten der Armen. Die Gemeinde vergibt Anschubfinanzierungen für Selbstversorger-Landwirtschaft vor allem für Frauen, und sie kümmert sich um alte Frauen, die von ihren Familien verstoßen wurden.

Bau, Ausstattung und Erweiterung der Grundschule waren das bislang größte Partnerschaftsprojekt. Derzeit wird ein Hostel angebaut – sonst hätten Mädchen aus den Dörfern keine Chance auf einen Schulbesuch.

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