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Ärgernis

Der Radweg darf kein Radweg mehr sein

Münster

Schildbürgerstreich oder sinnvolle Regelung? Die Stadt hat den ehemaligen Radweg an der Wienburgstraße abgesperrt. Wegen Tempo 30 müssen alle Radler auf der Straße fahren, so die Begründung.

Dirk Anger

Eine Absperrung stoppt Fahrradfahrer, die auf dem früheren Radweg fahren, der heute zum Bürgersteig zählt. Anwohner Wolfgang Barenhoff hält das für einen Schildbürgerstreich. Wegen der Tempo-30-Zone müssen die Radler auf der Straße fahren. Foto: da

Der Radweg ist offiziell kein Radweg mehr – und trotzdem fahren dort Radfahrer. Eigentlich ist man im städtischen Tiefbauamt bestens über die Situation an der Wienburgstraße kurz vor dem Ring im Bilde. Was nicht verwundern dürfte. Schließlich hat die Stadt auf dieser Straße nördlich vom Kreuzviertel in den vergangenen zwei Jahren zunächst umfassend die Kanäle saniert und zur Krönung den Radfahrern überirdisch dank der Tempo-30-Zone erlaubt, auf der Straße zu fahren – auf den letzten Metern sogar auf einer eigens markierten Spur.

Viele Pedalritter wollen das jedoch gar nicht, nutzen stadteinwärts trotzig den altbekannten Radweg – und landen dann unvermittelt kurz vor der Kreuzung am Ring vor einer stattlichen Absperrung. Dann bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder den Bordstein runter und rauf auf die Straße oder das Sperrgitter unerlaubt rechts über den Bürgersteig umkurven, wenn dort nicht gerade ein Auto parkt.

„Ein Schildbürgerstreich im wahrsten Sinne“, kommentiert Anwohner Wolfgang Barenhoff diese Situation. Seit 1971 wohnt er an der Wienburgstraße und hat aus eigener Anschauung erlebt, dass sich der früher mit einer weißen Markierungslinie vom Bürgersteig abgetrennte Radweg bestens bewährt hatte.

Doch die Tempo-30-Zone lasse keinen Radweg mehr zu, heißt es zur Begründung aus dem Tiefbauamt. Und deshalb haben sich Verwaltungsmitarbeiter offensichtlich dazu durchgerungen, der gesetzlichen Verkehrslage mit einer sauber durchgeplanten Lösung Nachdruck zu verleihen.

Aus diesem Grund wird der frühere Radweg, dessen Schilder natürlich im Zuge der Neuregelung ab- und nicht wieder aufgehängt wurden, wenige Meter vor dem Ring unterbrochen. Mutmaßlich herrschte in der Behörde aber die Sorge, dass sich Münsters Radfahrer allein von einer vergrößerten Baumscheibe nicht bremsen lassen. So pflanzte man vorsorglich, um Fakten zu schaffen, das Absperrgitter auf den Radweg, der ja ohnehin formal keiner mehr sein darf.

„Eigentlich sind solche Behinderungen unnötig“, meint Bezirksbürgermeister Peter Fischer-Baumeister auf Nachfrage. Und: „Man fühlt sich schon ein bisschen auf den Arm genommen.“ Anwohner Wolfgang Barenhoff treibt angesichts der insbesondere vielen jungen Radler, die vor seinem Haus fahren, noch eine andere Sorge um: „Der auf der Straße neu markierte Radweg wird von vielen nach rechts abbiegenden Autofahrern übersehen, sodass es nur eine Frage der Zeit sein wird, wann hier der erste Unfall geschieht.“

Barenhoffs Argument findet indes im Tiefbauamt keine Gnade: Die Situation an der Wienburgstraße sei wegen der maximal erlaubten Tempo 30 vollkommen unproblematisch, heißt es dort. Schließlich habe jeder Autofahrer einen Führerschein und kenne die Verkehrsregeln, sagt der beflissene Mitarbeiter im Amt.

Nun scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, so spekulieren eulenspiegelgleich Anwohner an der Wienburgstraße, bis Beamte im nahe gelegenen Polizeipräsidium am Friesenring den Braten riechen: Denn weil der Radweg kein Radweg mehr ist, fahren dort die Radfahrer rechtlich gesehen auf dem Bürgersteig. Das ist bekanntermaßen illegal und könnte doch mit einem kleinen Verwarngeld gesühnt werden . . .

Sicher ist indes: Gemeinsam mit der Polizei wollen Planungs- und Tiefbauamt die Lage an der Wienburgstraße noch einmal begutachten – damit die Radfahrer in beiden Richtungen sicherer auf der Straße fahren können, wie es heißt.

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