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Neue Umbenennungsdebatte

DGB will Uni ohne Wilhelm - Kardinal von Galen als Namensgeber im Gespräch

Münster

Nach der Debatte um Schloss- und Hindenburgplatz gibt es eine neue Namensrunde: Der DGB plädiert dafür, die Universität solle sich von ihrem Namensgeber Kaiser Wilhelm trennen.

Dirk Anger

Die Debatte um historisch belastete Namen zieht in Münster weitere Kreise: Nach dem Disput Schloss- kontra Hindenburgplatz geraten nun die Westfälische Wilhelms-Universität und ihr Namensgeber erneut ins Kreuzfeuer der Kritik. Heinz Rittermeier, DGB-Chef für das Münsterland, erklärt in einer Stellungnahme für die Beibehaltung des Namens Schlossplatz zugleich, dass die Umbenennung der Westfälischen Wilhelms-Universität für ihn als Gewerkschafter „keinen bitteren Beigeschmack“ besäße.

Zur Begründung: „Unter Kaiser Wilhelm wurden die Gewerkschaften massiv unterdrückt. Frauen hatten kein Wahlrecht.“ Diese Zeiten seien „keine schönen für unsere Vorfahren“ gewesen, so Rittermeier. Stattdessen bringt er eine Benennung der Universität nach Kardinal von Galen ins Spiel. Der frühere Bischof von Münster trat während der Nazi-Zeit öffentlich gegen die Tötung sogenannten „lebensunwerten Lebens“ ein. Dagegen weist der letzte deutsche Kaiser Historikern zufolge antisemitische und demokratiefeindliche Züge auf. Selbst eine Kommission der Universität hatte schon 1997 „antisemitische Ausfälle“ des Monarchen konstatiert.

Uni-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles mahnt angesichts der neuerlich aufkeimenden Diskussion allerdings zur Zurückhaltung. Sie erinnert an vergangene Debatten um den umstrittenen Namensgeber der Hochschule: „Dabei hat sich nicht so sehr die Aufgabe des Namens als schwierig erwiesen, sondern die Einigung auf einen alternativen Namen.“ Dieses Dilemma, so Nelles weiter, werde nicht dadurch gelöst, „dass nun auch von externer Seite weitere Varianten vorgeschlagen werden, zumal sich deren Sinnhaftigkeit – von der Füllung des Sommerlochs abgesehen – nicht jedem Menschen unmittelbar erschließt“.

DGB-Chef Rittermeier kann sich indes gut eine „Kardinal-von Galen-Universität“ vorstellen. „Kardinal von Galen bekämpfte energisch den Nationalsozialismus, damit die menschliche Gesellschaft nicht auf die Stufe einer Räuberbande herabgedrückt wird“, begründet er unter anderem seinen Vorschlag. Dieser entspreche auch der religiösen Tradition von Münster.

Die Studierendenvertretung der Universität (AStA) begrüßt den DGB-Einsatz für den Schlossplatz. Eine Benennung der Universität nach Kardinal von Galen wird jedoch ausdrücklich abgelehnt. „Auch dieser begrüßte deutsches Großmachtstreben und den Krieg gegen die Sowjetunion“. schreibt Öffentlichkeitsreferent Philipp Breder. Stattdessen spricht sich der AStA erneut für „Westfälische Friedensuniversität“ aus.

Die Bürgerinitiative „Pro Hindenburgplatz“ warnt dagegen unter Verweis auf den DGB-Vorschlag vor „weiteren leichtfertigen Umbenennungsforderungen in unserer Stadt“. Nur ein gewonnener Bürgerentscheid könne diesen einen Riegel vorschieben, so deren Sprecher Stefan Leschniok.

Oberbürgermeister Markus Lewe weist indes darauf hin, dass die Stadt Münster allein für die Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen im Stadtgebiet verantwortlich sei. Die Namensgebung der Universität falle einzig in die Zuständigkeit der universitären Gremien. 

Bernd Bajohr, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Münsterland, teilte per Pressemitteilung am Dienstag mit, dass die Äußerungen des DGB-Vorsitzenden Heinz Rittermeier nur dessen persönliche Auffassung zum Ausdruck bringen, aber "nicht mit der Gewerkschaft Verdi Bezirk Münsterland abgestimmt" seien. "Die Gewerkschaft Verdi Bezirk Münsterland hat das Thema ,Umbenennung' öffentlicher Straßen, Plätze und oder Gebäude bisher in den eigenen Gremien offiziell nicht erörtert", so Bajohr.

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ZUM THEMA

Der Streit um den Namensgeber der Westfälischen Wilhelms-Universität ist nicht neu. Im Jahr 1997 sprach sich eine vom Senat der Uni eingesetzte Kommission unter Verweis auf die „problematische historische Rolle und Politik“ des letzten deutschen Kaisers mit sechs zu vier Stimmen für eine Änderung des Namens aus.  

Die Kommission hatte der Uni zufolge auf „antisemitische Ausfälle“ des Monarchen hingewiesen, die sich in der Zeit nach seiner Abdankung im Exil noch verstärkt hätten. Allerdings scheiterten bislang alle Vorstöße zur Umbenennung. Wilhelm II. hatte die Hochschule 1902 wieder in den Rang einer Universität erhoben,  am 22. August 1907 ist die bereits 1780 gegründete Universität nach ihm benannt worden.

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