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Wirtschaftsförderung: Pandemie als Katalysator für Veränderungen

„Die Arbeit wird freier“

Münster

Wie wirkt sich die Pandemie auf die Führung von Unternehmen aus? Die Wirtschaftsförderung lud zu einem Online-Forum zu dieser Frage ein.

Von Julian A. Fischer

Im Spannungsfeld von Kontrollverlust und Krisenbewältigung stehen Führungskräfte nach der Pandemie vor neuen Herausforderungen. Um dieses Thema ging es bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Münster. Foto: picture alliance/dpa

So wie sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewandelt hat, gab es auch in der Unternehmensführung zuletzt signifikante Veränderungen. Um diese genauer zu betrachten, hat die Wirtschaftsförderung Münster zu einer digitalen Vortragsveranstaltung eingeladen.

Dabei sollte vor allem über die neuen Herausforderungen für Führungskräfte vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie diskutiert werden. Oliver Pauli hat diese Veränderungen selbst erlebt. Als Geschäftsführer der PR- und Werbeagentur Cyrano konnte er aus seiner eigenen Erfahrung Tipps zum adäquaten Umgang mit den Beschäftigten geben. Einen besonderen Fokus legte er dabei auf die Improvisationsstärke. Diese Fähigkeit sei außerordentlich relevant für eine gute Unternehmensführung. „Man muss die Dinge annehmen, wie sie passieren und schauen, wie sie sich gestalten lassen. Dabei muss man immer mehrere Optionen betrachten.“

Den Angestellten mehr Raum lassen

Zudem riet er den 20 zugeschalteten Führungskräften, ihren Angestellten mehr Raum zu lassen. Die Arbeit werde freier, es gebe weniger festgelegte Rollen. Vorgesetzte müssten heutzutage vor allem zuhören, bestärken, im Notfall retten – und dürften niemanden verurteilen.

Der Schriftsteller Burkhard Spinnen richtete den Blick in seinem Vortrag derweil mehr auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Er beschäftige sich mit der Parole der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, auf den sich auch heute noch viele Institutionen berufen. Dabei sei diese Trias allerdings nicht zu vereinen, erklärte Spinnen: „Freiheit und Gleichheit widersprechen sich grundsätzlich und haben in der Vergangenheit zur Entwicklung der zwei wesentlichen politischen Strömungen geführt.“

Dennoch sei ein Umgang mit diesem Gegensatz möglich – durch den dritten Aspekt, die Brüderlichkeit. „Das Zusammenleben mit unseren Geschwistern hat uns vor allem das Aushalten gelehrt. Es muss nicht für alle Probleme eine Lösung geben. Man muss sie nur aushalten können“, erläuterte er. Bezogen auf die Wirtschaft sei das im Grunde kein Unterschied zur von Oliver Pauli angesprochenen Improvisationsfähigkeit: „Es ist der permanente Umgang mit verschiedenen Polen.“

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