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Nach zwölf Jahren Arbeit

Verein zur Rettung der letzten Straßenbahn löst sich auf

Münster

6000 Arbeitsstunden haben freiwillige Helfer an der Restaurierung der alten Straßenbahn gearbeitet. Jetzt hat sich der Verein aufgelöst. Das Werk ist vollbracht, die Straßenbahn steht im Lichthof der Stadtwerke.

Von Helmut P. Etzkorn

Dieses Bild von 2009 zeigt die Pensionäre bei der Restauration in der Stadtwerke-Buswerkstatt. Foto: hpe

Das Ende am Dienstagnachmittag im Mühlenhof ist unspektakulär und endet nach zehn Minuten Sitzungsdauer mit einer einmütigen Entscheidung: „Feierabend, die Endstation ist erreicht!“

Zwölf Jahre lang hat eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher im Verein zur Rettung der letzten Straßenbahn in Münster den Triebwagen 65 detailliert rekonstruiert und aus einem Rostgerippe wieder eine vorzeigbare Tram gemacht. Nun ist alles geschafft und der Verein, 2002 von Hans Rath gegründet, ist seit Dienstag aufgelöst.

Schenkung an die Stadtwerke

Vorsitzende Karin Reismann: „Die Straßenbahn geht als Schenkung an die Stadtwerke und wird dauerhaft im Lichthof des Stadthauses 3 am Albersloher Weg der Öffentlichkeit präsentiert.“ Als letzte Aktion des Vereins wurde jetzt noch vor der Bahn eine digitale Infostele angebracht, dort kann man sich die spannende Geschichte vom Wiederaufbau des Gotha-Triebwagens, der von 1927 bis 1954 über die Schienen der münsterschen Innenstadt gerattert ist, in historischen Bildern und Texten visuell erklären lassen. Reismann: „Und die Stadt Münster bietet quasi als Ergänzung neuerdings noch einen multimedialen Stadtrundgang an. Steht man an der Lambertikirche und zückt sein Smartphone mit der kostenlosen Audioguide-App, sieht man die Straßenbahn über den Prinzipalmarkt fahren.“

Von Hannover nach Münster geholt

Im „Freundeskreis der Münsterschen Straßenbahn“ reifte vor über 20 Jahren die Idee, das auf einem Freigelände eines Verkehrsmuseums bei Hannover vor sich hinrostende Bahnskelett nach Münster zu holen. In der Buswerkstatt der Stadtwerke waren es dann handwerklich begabte Pensionäre, die in über 6000 Arbeitsstunden vom Metallrahmen über die Dachhaut bis zum Holzfußboden und der Originallackierung alles wieder „in Schuss“ brachten. Unterstützt von vielen Sponsoren und lokalen Firmen reifte die Straßenbahn im Laufe der Jahre zu einem Blickfang, der die Bürger an eine Zeit erinnern soll, als die Westfalenmetropole Münster im Nahverkehr komplett elektrisch aufgestellt und zumindest in Sachen „Umweltfreundlichkeit“ seiner Zeit weit voraus war.

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