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Gedenken an erste Deportation jüdischer Mitbürger

Die Erinnerung enthält eine Mahnung für die Zukunft

Für 299 Münsteraner markierte der 13. Dezember 1941 den Anfang vom Ende: Mit ihrer Deportation erreichte die Judenverfolgung auch in Münster einen vorläufigen Höhepunkt. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hatte deshalb am Sonntag zum Gedenken an einen historischen Ort eingeladen.

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Foto: Andreas Hasenkamp

Vom Gertrudenhof ging es für diese Münsteraner zur Verladung am Güterbahnhof: Die erste Deportation jüdischer Menschen aus Münster und Umgebung am 13. Dezember 1941 führte die meisten der 299 Personen in den Tod. Zum Gedenken versammelten sich am Sonntag etwa 80 Menschen an der Stele an der Ecke Kaiser-Wilhelm-Ring/Warendorfer Straße.

Andreas Determann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster, verlas einen Text der erkrankten jüdischen Vorsitzenden Ruth Frankenthal. Ihr Onkel und ihre Tante hätten einen Neuanfang gewagt: „Ihnen ist es zu danken, dass in Münster wieder eine jüdische Gemeinde entstand und das Ziel der Nazis nicht erreicht wurde, Münster ‚judenfrei‘ zumachen.“

Erinnerung an die Schrecken wach halten

An die Anwesenden gerichtet, schreibt Frankenthal: „Menschen, die wie Sie die Erinnerung an die Schrecken wach halten und unsere Gemeinde unterstützen, können Garanten dafür sein, dass nie wieder jüdische Menschen zusammengetrieben und in den Tod geschickt werden und jüdische Kinder nie wieder verbotene Plätze, Menschen und Häuser erfahren müssen.“

Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson sagte, die Anwesenden seien „nicht nur zum Gedenken hier“. „Die Opfer der Vergangenheit werden nachträglich noch mit Füßen getreten, die Gefahren für die Gegenwart und Zukunft, die am Horizont aufziehen oder schon da sind, werden lediglich von denen ignoriert, deren Horizont sehr beschränkt ist.“

Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson

Antisemitismus sei „wieder an der Tagesordnung, und das teilweise offen und ohne Scheu“, sagte Vilhjalmsson und verwies auf Äußerungen des AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla. Professor Dr. Johannes Schnocks, Vorsitzender der CJZ, lud zu einem stillen Gedenken an der 1991 errichteten Stele ein.

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