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Die Hoffnung darf zur Schule gehen

Ghana-Team Liebfrauen-Überwasser unterstützt die Christ-the-King-Academy

Münster

Zur Schule gehen – das ist für die Kinder im abgelegenen Norden Ghanas nicht völlig selbstverständlich. Das Ghana-Team aus Münster fördert seit 2012 die Gundschule „Christ the King“. Und hilft dabei, dass die Kinder auch kommen können.

Von Lukas Speckmann

Die „Academy“, die Grundschule mit sechs Klassen, ist das Aushängeschild der Gemeinde „Christ the King“ in Gushegu. Das Gebäude wurde mit Hilfe aus Münster gebaut und wird ständig erweitert. Das Ghana-Team der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser übernimmt auch die Schulgebühr für derzeit 25 Kinder. Foto: Ghanateam

Ist Schule heute noch so? Mehr als 30 Schülerinnen und Schüler in leuchtend gelben Hemden sitzen in Reih und Glied in schmalen Zweierbänken, alle blicken nach vorn. Als die Gäste aus Deutschland eintreten, stehen die Kinder auf, sagen artig „Guten Morgen“ und singen ein Lied. Dabei sind sie offenbar gut drauf. Und die Unruhe im Klassenraum hält sich absolut in Grenzen . . . „Das ist so ganz anders als bei uns“, sagt Dr. Annette Huhn vom Ghana-Team der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser beeindruckt.

Der Schulalltag in der Christ-the-King-Academy in der Kleinstadt Gushegu im Norden Ghanas mag auf Mitteleuropäer befremdlich wirken. Aber die Schule ist für die Menschen ein Segen. Bildung gilt als Königsweg, der strukturschwachen Region Impulse zu geben, und auf den vielen Kindern ruht alle Hoffnung. Es ist die einzige christliche Grundschule weit und breit, und sie ist äußerst beliebt. Nicht nur bei den Mitgliedern der gleichnamigen Pfarrgemeinde, die teilweise 60 Kilometer entfernt wohnen. Sondern auch bei Familien der muslimischen Nachbarn, die die Zuverlässigkeit von Lehrplan und Kollegium schätzen.

Das Aushängeschild der Kirchengemeinde

Die Schule ist das Aushängeschild von „Christ the King“. Als eine ghanaische Delegation 2012 in Münster die Kirchengemeinde und ihre Arbeit vorstellte, war die Schule das erste und wichtigste Projekt. Damals gab es bereits ein Haus für den „Kindergarten“, wie der Kindergarten in Ghana heißt. Eine Grundschule für sechs Klassen war das Ziel. 2013 ging sie an den Start.

Die Partner aus Münster ermöglichten den Bau der ersten drei Klassenräume – willkommene Arbeit für die Bauhandwerker Gushegus. Drei Jahre später mussten die nächsten drei Klassenräume gebaut werden. Und da bei aller Disziplin 40 Kinder pro Klasse einfach zu viel sind, entstehen derzeit zwei weitere Räume für den Beginn der Zweizügigkeit.

Auf dem Schulhof der Christ-the-King-Academy in Gushegu geht es lebhafter zu als im Klassenraum. Foto: Ghanateam

2019 machten die ersten Sechstklässler der Academy ihren Abschluss. Annette Huhn reiste damals mit einer kleinen Delegation nach Gushegu und war besonders vom einträchtigen ökumenischen Religionsunterricht beeindruckt. Ökumenisch heißt christlich-islamisch: „Wir sahen ein Tafelbild, auf dem wichtige Begriffe des Christentums und des Islams aufgeführt waren. Ein gemeinsamer Religionsunterricht ist möglich!“

Schule ist teuer: zehn Euro pro Monat. Darin enthalten: Gehalt für die derzeit 14 Lehrer, Schuluniform, Bücher, Energiekosten, Verwaltung und Reinigung. Von den Eltern werden pro Kind vier Euro erbeten, den Rest trägt die Gemeinde. Das Ghana-Team sammelt Spenden und finanziert damit Zulagen für die Gehälter, die noch deutlich niedriger sind als an staatlichen Schulen, Zuschüsse für Unterrichtsmaterial – und nicht zuletzt Unterstützung für 25 Schülerinnen und Schüler, deren Eltern nicht wissen, woher sie vier Euro im Monat nehmen sollten. 332 Kinder besuchen zurzeit die Grundschule, dazu kommen noch 207 kleinere Kinder in Kita und Vorschule.

Die ganze Familie auf dem Moped

Ein Problem ist der Schulweg. Manche Kinder werden von ihren Eltern gebracht. Und zwar mit dem Moped, auf dem in Ghana eine ganze Familie Platz findet. Doch wer weit entfernt wohnt, muss unter der Woche in Gushegu bleiben. Für Jungs gibt es seit Kurzem ein einfaches Quartier, bestehend aus zehn Doppelstockbetten in einem kleinem Raum. Für Mädchen wird derzeit ein ähnliches Hostel gebaut – damit niemand auf den Gedanken kommt, sie einfach zu Hause im Dorf zurückzubehalten.

„Das ermöglicht den Kindern einen geregelten Schulalltag“, sagt Annette Huhn. „Sonst müssen sie noch aufs Feld gehen.“

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