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Rückblick

Die Konzerte des Jahres 2019 in Münster

Münster

Das Konzertjahr 2019 neigt sich dem Ende entgegen. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich auf Münsters Bühnen zahlreiche Stars getummelt. Jazz-Größen wie John Scofield, Hip-Hopper Trettmann, Pop-Größen wie Wincent Weiss, das H-Blockx-Comeback oder die Indie-Rock-Party der Leoniden, um nur ein paar zu nennen. Unsere Autoren haben zusammengestellt, welche Konzerte ihnen ganz persönlich im vergangenen Jahr am besten gefallen haben.

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Die Pink-Floyd-Tributeband begeisterte Fans. Foto: Jörn Krüßel

Luftgitarre zur Pink-Floyd-Tributeband

Das beste Konzert des Jahres 2019 war für mich, aus ganz egoistischen Gründen, so viel sei eingestanden, der Besuch der Australian Pink ­Floyd Show im März. Eine Tribute Band zwar, aber was für eine! Bevor sich am Ende gestandene Männer selig singend in den Armen lagen oder Luftgitarre zu „Comfortably Numb“ spielten, hatten die Australier jedes Register gezogen, um ihren Vorbildern nachzueifern.

Eine Produktion, bei dem einen die Augen übergingen, die Musik bis ins letzte Detail perfektioniert, dabei immer eine schelmische Down-Under-Note, wie das aufblasbare Känguru, das bei „One of these Days“ auf einmal auf der Bühne thronte. Dass Pink-Floyd-Chef David Gilmour die Jungs schon auf seine Geburtstagsparty eingeladen hat, zeigt, wie populär die in den 80ern gestartete Combo geworden ist. Bei einem alten Floyd-Fan wie mir rannten sie da offene Türen ein. Gut zu wissen, dass das Erbe der Engländer in Australien gut aufgehoben ist. Von Jörn Krüßel

König GZA im Palast

Da schlurft er auf die Bühne des Skaters Palace, einer der Rap-Helden meiner Jugend. In stinknormaler Trainingsjacke und Jeans. Die eine Hand am Mikro, die andere in der Hosentasche vergraben. Ohne große Umschweife legt er los, der GZA, Mitbegründer und prägende Figur des legendären Wu-Tang-Clan. Kein Bühnenbild, keine Showeffekte. Unterstützt nur durch einen DJ und einen mäßig begabten Backup-MC. Das klingt für die meisten erst mal nicht nach dem Setting für ein großartiges Konzert.

Mikro, etwas Licht, mehr braucht der Meister nicht. Foto: Bischoff

Doch für Connaisseure guten alten 90‘s-East-Coast-Hip-Hops durchaus. Denn die wissen, dass der GZA, der eigentlich Gary Grice heißt, lediglich seine Grundwerkzeuge benötigt, um zu überzeugen: unverwechselbare Stimme, hintersinnig-kluge Reime und ein erhabener Flow, mit dem er an diesem März-Abend mühelos über die ikonischen Beats seines 25 Jahre umspannenden Œuvres spaziert. Nach 70 Minuten hat GZA genug und geht von der Bühne. Keine Schnörkel, kein unnötiges Chichi, pures Talent: mein Konzert des Jahres 2019.

Von Julian Bischoff

Donots featuring „Wölfi“ Wendland

Das jahrzehntelange Besuchen von Konzerten und Festivals bringt es mit sich, dass man irgendwann einfach alle Bands, die man persönlich gut findet, schon einmal gesehen hat. So jedenfalls geht mir das. Nur eine Band habe ich trotz zahlreicher Auftritte in Münster immer wieder verpasst: Die Kassierer.

Mein Höhepunkt des Jahres ereignete sich daher auf dem Vainstream. Die Donots hatten mich gerade davon überzeugt, dass ich vielleicht doch mal häufiger auf ihre Konzerte gehen sollte, als die Band plötzlich noch Wolfgang „Wölfi“ Wendland auf die Bühne holte. Als der Frontmann der Kassierer „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“, anstimmte, wurde bei mir aus einem sehr guten, ein unvergesslicher Tag. Großartig – blöd nur, dass mein Bier danach alle war.

Von Björn Meyer

Niels Frevert im Gleis 22

Gleich zu Beginn des Konzerts versemmelt Niels Frevert die erste Strophe des Songs „Leguane”. Stattdessen singt er die zweite doppelt. Seine Stimme ist angeschlagen, dafür entschuldigt sich der Hamburger. Er gäbe nachher noch Autogramme, müsse aber seine Stimme schonen und daher nicht sprechen. Tags drauf sei ein Radiokonzert in Bremen. Dennoch ist das Konzert im Gleis 22 für mich das mit Abstand beste dieses Jahres. Weil Freverts aktuelles Album „Putzlicht“ bereits zu dem Zeitpunkt meine Platte des Jahres ist.

Keine Songs habe ich öfter gehört als diese auf den Punkt arrangierten Lieder, die Frevert geschrieben hat, um sich von seiner Schreibblockade zu befreien. Insgesamt hat er fünf Jahre für das Album gebraucht. Es sind Lieder, die das Musikmachen thematisieren, die Liebe, den Herbst. Mit seiner heiseren Stimme, einer wunderbar eingespielten Band und seinen intelligenten Texten spricht Frevert sowohl den Verstand als auch das Herz an. Und trotz der Widrigkeiten an diesem Abend in Münster, strahlt der 52-Jährige eine Spielfreude auf der Bühne aus wie lange nicht.

Niels Frevert überzeugt in Münster restlos. Foto: Benedikt Schnermann

Der ehemalige Frontmann der Band Nationalgalerie bettet acht Songs des aktuellen Albums in die Setlist mit ein, aber auch Klassiker seiner Solokarriere fehlen natürlich an dem knapp zweistündigen Abend nicht, der – bis auf den einen Zwischenrufer, der sich den Song „Ufo“ wünscht und nicht bekommt – vor allem mich wunschlos glücklich zurücklässt.

Von Carsten Vogel

„Tonlabor“ mit Klein, Börger, Kempner und Homann  

Im Winter 2018 treffe ich den Drummer Gereon Homann im Rare Guitar. Wir quatschen über dies und das, dann erwähnt er sein Projekt „Tonlabor“. Er will begnadete Musiker und Studiogrößen, die sonst in der zweiten Reihe stehen, als Ein-Tages-Projektband auf die Bühne holen. Gesagt, getan: Am 6. März kommen  Phunkguerillero Cosmo Klein, Gloria-Keyboarder und Star-Produzent Nicolas Börger, der aufstrebende Gitarrist Simon Kempner und Folkwangpreisträger und Schlagzeugdozent Homann auf die Bühne.

Nach drei Liedern denke ich: Das ist das Konzert des Jahres. Aber andererseits kommen ja auch noch so viele. Es kamen viele, aber keine besseren. Warum? Weil der Moment unwiederbringlich war und die Spitzenmusiker im kleinen Rahmen ihre Partylaune transportiert haben. Mehr davon 2020, bitte.

Von Pjer Biederstädt

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