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Online-Handel

Die Lösung für die „letzte Meile“

Münster

Immer mehr Pakete – immer mehr Paketboten. Wie können Städte die Folgen des Online-Booms in den Griff bekommen? Darüber informierte jetzt ein Experte auf Einladung der Wirtschaftsinitiative WIN.

Von Timo Gemmeke

Dr. Sebastian Stiehm (r.) hat über Mikrodepots informiert. Foto: Timo Gemmeke

Der Online-Handel boomt, Paketzulieferer verstopfen die Innenstädte, die Geschäfte vor Ort können oft nur wenig dagegenhalten. Wie diese Entwicklung für Händler, Kunden und Städte verträglicher und nachhaltiger gestaltet werden kann, darüber hat jetzt die Wirtschaftsinitiative Münster (WIN) diskutiert.

Im Mittelpunkt stand das Konzept der Mikrodepots. Dabei wird die „letzte Meile“, also der Weg vom Paketzulieferer zum Kunden, durch einen Zwischenschritt ergänzt. Statt mit dem Paketwagen direkt zu Haushalten oder Geschäften zu fahren, werden Sendungen in kleinen Depots gelagert, die etwas außerhalb des Stadtzentrums liegen. Die „letzte Meile“ übernehmen dann Kleinfahrzeuge wie Lastenräder.

Drei kritische Entwicklungen

Laut Dr. Sebastian Stiehm, Wirtschaftsgeograf und Berater für Regionalentwicklung, könnte so drei kritischen Entwicklungen begegnet werden: dem immer kleinteiligeren Konsum in Form kleiner Pakete oder Päckchen, dem steigenden Verkehrs- und Parkdruck für Zusteller und der hohen Emissionsbelastung für Städte – sofern die Zustellflotten noch nicht elektrisch unterwegs sind.

Dass Mikrodepots in dieser Hinsicht hilfreich sein können, hätten Pilotprojekte in sechs Städten gezeigt, so Stiehm. „Es ist kein Allheilmittel, es kommt immer auf die Kombination mit anderen Maßnahmen an.“

Zentral bei der Umsetzung sei die Kooperation aller Beteiligter. Die Paketdienste müssten darlegen, wo die Auslieferdichte am höchsten und die Verkehrssituation am hinderlichsten sei. Gleichzeitig müsse die Stadt – blickt man etwa auf die Unterbringung der Depots in bestehendem Baubestand – Flächen zur Verfügung und die rechtlichen Weichen für die neuartige Logistik stellen.

Problemfall Standortfrage

„Schwammige Planungen“ würden Paketdienste oder andere Investoren oft abschrecken, so Stiehm. „Ein solches Projekt darf nicht zwischen einem ,Könnte man machen‘ und einem ,Da fehlt noch eine Baugenehmigung‘ scheitern.“

Joachim Brendel, IHK Nord Westfalen, prognostiziert vor allem bei der Standort-Frage für mögliche Depots in Münster ein Problem. Einerseits habe die Stadt stets „besondere städtebauliche Ansprüche“, andererseits seien Bestandsimmobilien knapp. „Ein Containerdorf vor dem Schlossplatz kann man sich in Münster nur schwer vorstellen“, so Brendel.

Eigenes Verhalten überdenken

Marcus Gessler (WIN) hält die Mikrodepots vor allem in Verbindung mit einem „digitalen Marktplatz“ für sinnvoll. Dort könnten Aufträge gesammelt und dann gebündelt ausgeliefert werden. „Wenn ein Bote eine Pizza ausliefert, könnte er gleich ein anderes Paket mitnehmen, das in die Nebenstraße muss“.

Dr. Andre Wolf, Stabsstellenleiter Smart City der Stadt Münster, sieht auch die Konsumenten in der Pflicht. „Man sollte sein eigenes Verhalten stets überdenken und wissen, welche Folgen jede Bestellung aus dem Internet für den Handel vor Ort, aber auch die Lebensqualität in der Stadt hat.“

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