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Fotoprojekt über Feuerwehr und Polizei

Die Menschen hinter den Uniformen

Münster

Eine in Münster gegründete Initiative wirbt für mehr Respekt gegenüber Menschen in Uniform – auf ganz kreative Weise. Sie stellt die Menschen in den Uniformen persönlich vor. Resonanz erfolgt deutschlandweit.

Björn Meyer

Gründer der Initiative für Respekt und Toleranz (v.l.): Dirk Reinhardt, Charlotte Beck, Andrea Wommelsdorf und Burkard Knöpker.

Alles fing mit einigen Videos an, die Andrea Wommelsdorf von den Ausschreitungen im Juli in Stuttgart sah. Junge und jugendliche Täter hatten seinerzeit die Polizei angriffen – manche Medien berichteten gar von Hinterhalten. „Ich war fassungslos“, erinnert sich die 55-jährige Münsteranerin. Sie thematisierte die Vorkommnisse im Bekanntenkreis und erhielt von einem Feuerwehrmann die Rückmeldung, dass es längst keine Seltenheit mehr sei, dass Menschen in Uniform beschimpft und angegangen würden. Die Polizei Münster etwa verzeichnete allein im vergangenen Jahr 67 tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte oder gleichstehende Personen.

Die Menschen hinter den Uniformen zeigen

„Das hat mich nicht losgelassen“, sagt Wommelsdorf rückblickend und fügt hinzu: „Ich wollte etwas dagegen tun.“ Gesagt, getan. Gemeinsam mit Charlotte Beck, Dirk Reinhardt und Burkard Knöpker gründete sie die „Initiative für Respekt und Toleranz“, die in einem ersten Projekt Menschen in Uniform auf Fotos zeigt, und – noch viel wichtiger – in Interviews zu Wort kommen lässt, um den Menschen hinter der Uniform zu zeigen.

„Es hat mich richtig betroffen gemacht, zu erleben, wie dankbar die Menschen waren, dass ihnen endlich mal jemand zuhört“, sagt Andrea Wommelsdorf. Neben ihr sitzt Burkard Knöpker, der die Gespräche mit Polizisten und Feuerwehrleuten geführt hat – und immer noch führt, denn: „Wir haben noch eine Menge vor“, sagt Knöpker.

Andrea Wommelsdorf

Dabei verschweigen die beiden auch nicht, dass ihnen von außen durchaus auch Zweifel entgegengebracht worden seien. Ob das denn irgendetwas bringe, habe sie oft gehört, verrät Wommelsdorf. Doch diese Zweifel teilt sie nicht. „Wir möchten die Menschen sensibilisieren“, sagt sie, und: „Jeder Einzelne, bei dem wir dadurch ein Umdenken erreichen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Denn Respekt, das jedenfalls ist der Eindruck der Initiatoren, sei keine Selbstverständlichkeit mehr. Immer häufiger werde ein Schuldiger für die eigene Unzufriedenheit gesucht. „Der Ton in der Gesellschaft wird rauer“, sagt Wommelsdorf. Woran das liege? „Ich weiß nicht, woher dieser Hass kommt“, sagt die selbstständige Einrichtungsberaterin nachdenklich.

Umso wichtiger sei es, sich immer bewusst zu machen, dass „Polizei und Feuerwehr für uns im Einsatz sind. Jeder könnte der nächste sein, der sie braucht“, stellt Wommelsdorf heraus.

Tiefes Misstrauen bei den Betroffenen

Burkard Knöpker räumt ein, dass es zunächst nicht immer einfach gewesen sei, das Vertrauen der Betroffenen zu gewinnen. Zwar hätten die Gewerkschaft der Polizei und die Stadt Münster dankenswerterweise als Vermittler fungiert, dennoch sei im persönlichem Kontakt mit den Beamten zunächst auch Reserviertheit zu spüren gewesen. Tief sitze offenbar das Misstrauen, gerade ob der Anfeindungen in sozialen Medien. „Es war tatsächlich zunächst das Schwierigste, die Menschen locker zu kriegen“, sagt Knöpker. War das Eis erstmal gebrochen, sei vieles dann einfacher gefallen.

Aus den Gesprächen sind kurze, ganz persönliche Porträts entstanden – geblieben aber ist noch mehr: „Die Schilderungen dieser Menschen zu hören, verändert einen“, sagt Andrea Wommelsdorf. Sie denke da etwa an die Polizistin, die einen Erhängten gefunden habe, den die Frau danach noch tagelang bei sich im Wohnzimmer gesehen habe. Oder den Polizisten, der trotz der auf einer Demonstration davongetragenen Verletzung auch danach wieder bei Demonstrationen im Einsatz sei.

Große Interesse am Fotoprojekt

Offen ist bislang, wie das Projekt verwertet wird. Nach einer Berichterstattung im Spiegel aber sei das Interesse republikweit groß. Zahlreiche Institutionen, aber auch Privatleute hätten sich gemeldet und ihre Unterstützung bekundet. „Wir hätten nicht gedacht, dass das so durch die Decke geht“, sieht Andrea Wommelsdorf darin den Beleg dafür, dass das Thema einen Nerv getroffen habe. Eine Ausstellung soll es – vermutlich im kommenden Jahr – geben. Auch ein Buch wäre denkbar.

Doch wichtiger ist dem Initiatoren-Quartett die Sache an sich – und die bedeutet: Möglichst viele mit dem Thema zu erreichen. Texte und Fotos sind dafür die Hilfsmittel, vielleicht ist es aber dieser eine Satz von Burkard Knöpker, der mehr sagt, als 1000 Worte und Bilder: „Wir sind auf tolle Menschen getroffen.“

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