„Gefährlicher Ort“ Bahnhofsviertel

Die Polizei ist am Ball

Im münsterischen Bahnhofsumfeld häufen sich Straftaten. Deshalb wurde es in die Liste „gefährlicher Orte“ aufgenommen. Eine Tatsache, die wohl nur den ehemaligen Polizeipräsidenten wundern dürfte, findet unser Redakteur. Ein Kommentar.

Martin Kalitschke

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Das Bahnhofsviertel ist kein Kriminalitätsschwerpunkt: An dieser Einschätzung hielt der frühere – von einer rot-grünen Landesregierung ins Amt gehobene – Polizeipräsident Hajo Kuhlisch bis zum Ende seiner Amtszeit gebetsmühlenartig fest. Stattdessen räsonierte er lieber über ein „gefühltes Unbehagen“, das dort manche Zeitgenossen befalle – und dass eine Portion Kriminalität zu einer Großstadt nun einmal dazugehöre.

Weniger um Gefühle als um Fakten geht es dem neuen – von Schwarz-Gelb berufenen – Polizeipräsidenten Rainer Furth. Der verkündete Anfang dieses Jahres, dass sich 2019 im Bahnhofsviertel jede siebte Straftat in Münster ereignete: 3600 Delikte, darunter 400 Körperverletzungen und 50 Raubüberfälle. Diese Zahlen sind weit von der gefühlten Realität seines Amtsvorgängers entfernt – und bestätigen eine Situation, über die Passanten, Anwohner und Gewerbetreibende seit Jahren geklagt hatten. Warum sich Kuhlisch bis zuletzt weigerte, die objektive Lage anzuerkennen, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Keine Chance für Straftäter

Seit Furth im Amt ist, gibt es regelmäßig Razzien, deutlich sichtbar, mit großem Polizeiaufgebot. Immer wieder werden Straftäter festgenommen, Ermittlungserfolge umgehend öffentlich kommuniziert. Die Botschaft ist klar: Straftäter haben hier keine Chance, die Polizei tut alles, damit sich die Menschen rund um den Hauptbahnhof wieder sicherer fühlen können.

Dass das Bahnhofsviertel nun in einer Auflistung der „gefährlichen Orte“ in NRW auftaucht, dürfte höchstens den früheren Polizeipräsidenten überraschen. Indes: „Gefährlich“ bedeutet nicht, dass das Bahnhofsviertel fortan gemieden werden sollte – sondern vielmehr, dass es hier eine Häufung von Straftaten gibt. Die Polizei tut derzeit vieles, damit sich das ändert. Gut möglich, dass dieser „gefährliche Ort“ schon in wenigen Monaten wieder ein Ort wie jeder andere ist. Dann hätte Furth erreicht, was sein Vorgänger nie geschafft hat.

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