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Laurenz Kirchner

Dieser Künstler verarbeitet Ereignisse in Aquarellen

Münster

Passiert etwas in Münster, in Deutschland oder der Welt, fängt Laurenz Kirchner sofort an, nachzudenken. Denn der Künstler aus Münster malt Aquarelle – zu aktuellen Ereignissen. Aber auch sonst brennt er leidenschaftlich für die Kunst.

Künstler Laurenz Kirchner verarbeitet aktuelle Ereignisse in seinen Aquarellen – wie hier den Krankletterer. Foto: Matthias Ahlke

Eigentlich immer kribbelt es in seinen Fingern, rattert sein Kopf. Denn wenn etwas in Münster und Umgebung passiert oder ein aktuelles Ereignis die Welt beschäftigt, dann ist schnell das Interesse von Laurenz Kirchner geweckt. „Ich muss das unbedingt machen, weil es aus mir herauskommt“, sagt er. Das Ergebnis davon: Hunderte Aquarelle und andere Kunstwerke, die der Zeichner, Bildhauer und Aktionskünstler in seinem Leben bereits angefertigt hat.

Beispiel gefällig? Eines seiner letzten Aquarelle zeigt einen Totenkopf – mit Gasflaschen als Zähnen, einem Gaskochfeld auf dem Kopf und Rohren aus den Ohren. „Das Thema war natürlich der russische Einfluss auf die Gasversorgung und die Gaskrise“, erklärt Kirchner, der sich den russischen Präsidenten auch noch einmal in einem anderen Kunstwerk „vorgeknöpft“ hat. Darauf zu sehen ist Wladimir Putin mit einem brennenden Streichholz in der Hand, der den „Deckel“ des Atomkraftwerks Saporischschja anhebt und neugierig in den Reaktor lugt.

Leidenschaftlicher Künstler

Aber auch lokale Geschehnisse bringt der leidenschaftliche Künstler aufs Papier – etwa die angemalten Igel in Schöppingen, den Krankletterer in Münster oder zuletzt den Tod des 25-jährigen Transmannes Malte C., der nach einem Angriff am Rande des CSD starb.

Zu dem Tod von Malte C. fertigte Laurenz Kirchner dieses Aquarell an. Foto: Simon Beckmann

Wenn Kirchner ein Thema nicht mehr loslässt, dann beginnt oft die Zeit des Grübelns: Wie kann er seine Ideen am besten auf ein Stück Papier bringen? Welche Perspektive ist zu wählen? Und: Welche Details sollen das Bild bereichern? Die Skizzen fertigt er meistens mit der Hilfe von Bildern, die er als Vorlage verwendet, an. Einige Zeit fließt oft auch in die detaillierte Darstellung von Personen. „Sobald das Gerüst erst einmal steht, geht es ganz schnell“, verrät der Münsteraner. „Aber wenn die Sache komplexer ist, braucht man Zeit, die man oft gar nicht hat.“ Immerhin möchte er die Aquarelle auch zeitnah zu dem jeweiligen aktuellen Ereignis fertig haben.

Von klein auf im Atelier

Die Faszination für die Kunst wurde in Kirchner jedenfalls schon in jungen Jahren geweckt. Sein Vater arbeitete als Bildhauer und Künstler – Kirchner verbrachte seine Zeit schon von klein auf im heimischen Atelier, packte dort mit an und schuf nach und nach seine ersten eigenen Werke. „Ich bin in einer Atmosphäre aufgewachsen, in der jeden Tag Kunst entstanden ist“, erklärt er, wie seine Leidenschaft entflammt wurde. Und weiter: „Ich versuche etwas bildlich umzusetzen, was als Gesamteindruck nicht nach ein paar Minuten langweilig wird.“ Das Unsichtbare, die Essenz, die Botschaft solle stets interessant bleiben.

Genau erinnert er sich auch noch an sein erstes Ölbild: Einen Skarabäus-Käfer. Danach probierte er sich an einem Schweinekopf auf einem Tablett – Hautton: petersilienfarben.

Unter dem Titel „Zeitzünder“ stellt Kirchner einige seiner Werke noch bis zum 4. November in der Stadtbibliothek in Emsdetten aus.

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