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Dr. Daniele Ganser in Münster

Umstrittener Referent in der Halle Münsterland

Münster

Dr. Daniele Ganser kommt nach Münster. Viele halten den Mann für einen Verschwörungstheoretiker – nicht ohne Grund. Allerdings agiert Ganser bei seinen Vorträgen weitaus subtiler, als man es von vielen Schreihälsen der Corona-Pandemie gewohnt ist.

Von Björn Meyer

Dr. Daniele Ganser Foto: Ganser

Die Pressemitteilung bezeichnet Dr. Daniele Ganser als „Historiker und Friedensforscher“. Das klingt gut. Doch der 1972 in Lugano geborene Schweizer, der am 16. August in der Halle Münsterland einen Vortrag hält, ist noch mehr – nämlich umstritten. Darauf machten auch Leser unserer Zeitung nach der Veröffentlichung der Vortragsankündigung aufmerksam. Tatsächlich sorgte Ganser bereits vor zehn Jahren mit seinen Thesen zum 11. September 2001 und dem Einsturz des World Trade Centers für Aufsehen. Eine an den Anschlägen beteiligte US-Regierung hält er für möglich.

Mittlerweile vermischen sich in Gansers Vorträgen Amerika-Thesen mit Pandemie-Themen. Selbst die Neue Züricher Zeitung (NZZ) schrieb im Januar 2021, Ganser habe bereits weit vor der Pandemie Zweifel an den sogenannten „Mainstream-Medien“ gesät. Zur Verdeutlichung: Die NZZ fällt in einschlägigen Kreisen genau nicht unter diesen vermeintlichen Kreis. Und weiter: Gansers ständiger Subtext sei, „die Bevölkerung wird manipuliert“.

Die Tricks eines Verschwörungstheoretiker

Tatsächlich aber arbeitet Ganser selbst mit, in seinem Fall gar nicht so leicht zu enttarnenden, Mitteln der Manipulation. Immer wieder verweist er auf seinen Hintergrund als Historiker. Ganser ist zudem eloquent, mitunter witzig und stets kontrolliert, eine Art Gegenentwurf zu den Schreihälsen, die man in den vergangenen Monaten auf den Anti-Corona-Bühnen gesehen hat.

Und doch arbeitet Ganser mit Tricks, vor allem dem, Theorien und Sachverhalte gleichzustellen, die überhaupt nicht auf dieselbe Ebene gehören. Im Fall der Pandemie etwa der Angst vor dem Virus und der Angst vor der Diktatur. Wer seinen Vortrag in Münster besuchen möchte, der sollte im Hinterkopf halten, was Ganser selbst gern propagiert: „Passen Sie auf, wem Sie Ihre Aufmerksamkeit geben.“

Halle Münsterland-Geschäftsführerin kritisch

Auch beim Team der Halle Münsterland beäugt man den kommenden Gast kritisch. War der Vertrag noch im ersten Halbjahr 2020 geschlossen worden, habe man hinsichtlich Gansers Corona-Thesen dem Veranstalter bereits angeboten, ohne Kosten aus dem Vertrag aussteigen zu können. Das habe der Veranstalter jedoch abgelehnt, so Geschäftsführerin Dr. Ursula Paschke.

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