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Fast 300 Jahre nach Einweihung

Dominikanerkirche wird profaniert

Münster

Am Sonntag um 18 Uhr wird zum letzten Mal ein Gottesdienst in der Dominikanerkirche in der Salzstraße gefeiert. Am Ende wird sie profaniert. Künftig wird das Gebäude nur noch weltlich genutzt.

Martin Kalitschke

Die Dominikanerkirche wird am Sonntag profaniert. Foto: Matthias Ahlke

Wenn am Sonntagabend das Ewige Licht erlischt und das Allerheiligste aus der Dominikanerkirche getragen wird, dann ist es mehr als ein Kapitel in der Kirchengeschichte, das da zu Ende geht: Das Gotteshaus wird seine Funktion verlieren, zwar weiterhin Kirche heißen, aber keine Kirche mehr sein. Die Dominikanerkirche wird profaniert – und damit 272 Jahre nach ihrer Einweihung nur noch ein weltlicher Ort sein.

Der Sonntag wird für Prof. Dr. Klaus Müller ein schwerer Tag. Müller, Mitglied der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität, war seit 1999 als „Rector Ecclesiae“ für die Nutzung der Kirche verantwortlich. „Profanierung heißt Entweihung“, sagt Müller. Den Abschied von der Dominikanerkirche bezeichnet er als „herben Verlust für Stadt, Fakultät und Bistum.“ Die Geschichte der Kirche als Kirche „geht am Sonntag für immer zu Ende“. Müller macht kein Hehl daraus, dass ihm dies „wirklich nahe geht“.

Um 1914 entstand diese Innenaufnahme. Noch fehlt die Wand vor dem Altar. Foto: Stadtmuesum Münster

Abschied von der Dominikanerkirche

Die Vorgeschichte der Profanierung reicht viele Jahre zurück. 1960 verpflichtete sich das Land, die schwer kriegsbeschädigte Kirche auf eigene Kosten wieder aufzubauen – dafür verzichtete die Stadt, der das Gebäude gehört, auf Miete für die Nutzung als katholische Universitätskirche. 2007, in Zeiten leerer Kassen, gab das Land die Kirche – und mit ihr die Unterhaltungskosten – an die Stadt zurück.

Die Fakultät nutzte sie jedoch erst einmal weiter, feierte hier regelmäßig Gottesdienste, lud zu Orgelstunden ein. 2013 stimmte die Mehrheit des Rates dafür, die Kirche zu profanieren und einen Käufer zu suchen. „Es gab jedoch keinen einzigen Interessenten“, berichtet Andreas Tschöpe vom Amt für Immobilienmanagement. Die Kirche steht unter Denkmalschutz, auch nach einem Verkauf hätte kaum etwas verändert werden dürfen. Gut möglich, dass dies potenzielle Investoren abschreckte.

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Auszug bis zum Advent

Ende 2014 war die Dominikanerkirche wieder Thema im Rat. Erneut stimmte eine Mehrheit für die Profanierung, nun aber ohne Verkauf. Die Stadt sollte sich stattdessen um eine Vermarktung mit dem Ziel einer „angemessenen Nutzung“ bemühen. Die war nach Ansicht von Müller allerdings nicht immer gegeben. Dass in der Dominikanerkirche zeitweilig das Münster-Modell zu sehen war, hält er im Rückblick für nicht gerade angemessen.

Die Kirche vor den schweren Kriegszerstörungen. Fotografiert um 1929. Foto: Stadtmuseum Münster

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. „Erst sagte uns die Stadt zu, dass wir die Kirche noch bis Ende 2018 nutzen können“, erinnert sich Müller. „Doch im Frühjahr hieß es, dass wir bis zum Advent raus müssen.“

Einige Unklarheiten

Dieser Moment ist nun gekommen. „Ab Montag werden wir ausräumen“, sagt Müller. Osterleuchter, Messgewänder, Bücher. Auch das aus dem 14. Jahrhundert stammende Kreuz, Leihgabe des Bistums, wird die Kirche verlassen. Was aus der Orgel wird, die der Universität gehört, ist unklar, sagt Müller. Ebenso ungewiss ist das Schicksal des restaurierungsbedürften Hochaltars, der 1903 aus Paderborn nach Münster kam.

1903 kam dieser Barockaltar von Paderborn nach Münster. Seine Zukunft ist ungewiss. Er ist restaurierungsbedürftig. Foto: Matthias Ahlke

Die Katholisch-Theologische Fakultät hat derweil eine neue Heimat gefunden – sie zieht in die Ludgerikirche. Das neue Kapitel in der Fakultätsgeschichte wird dort am 3. Dezember um 11 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst beginnen.

Geschichte der Dominikanerkirche

Seit 1346 war der Dominikanerorden in Münster vertreten, einen Konvent gründete er jedoch erst 1641. Auf dem Grundstück zwischen Salzstraße und Altem Steinweg entstand 1663 die erste Kirche der Dominikaner, Anfang des 18. Jahrhunderts musste sie einem Neubau weichen. Dieser wurde am 14. Oktober 1725 geweiht. Der Architekt hieß Friedrich von Corfey, dessen berühmtester Schüler war Johann Conrad Schlaun. Bei der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts mussten die Dominikaner Kloster und Kirche verlassen. Von 1826 bis 1880 diente die Kirche als Militärdepot. 1881 kaufte die Stadt die Kirche, am 31. März 1889 wurde sie erneut geweiht. 1903 kam der Barockaltar aus Paderborn in die Kirche. 1943 und 1944 wurde sie bei Luftangriffen schwer beschädigt. 1952 begann der Wiederaufbau der Dominikanerkirche. -kal-

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