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WN-Spendenaktion: Netzwerk Roter Keil

Dr. Leon Windscheid: „Schweigen hilft nur den Tätern“

Münster

Er ist Psychologe und Autor, hat bei „Wer wird Millionär“ gewonnen und betreibt das Eventschiff „MS Günther“: Dr. Leon Windscheid ist bekannt. Das nutzt er für den guten Zweck – zum Beispiel, um Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen. Ein Interview.

Von Pjer Biederstädt

Der Psychologe, „Wer wird Millionär“-Gewinner und Event-Boot-Betreiber Dr. Leon Windscheid unterstützt als sogenannter Foto: Daniel Witte

Das Netzwerk Roter Keil kämpft seit über 20 Jahren gegen sexuellen Missbrauch und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. Unterstützt wird es dabei unter anderem von Prominenten. Einer von ihnen ist Psychologe, Unternehmer, Autor und „Wer wird Millionär“-Gewinner Dr. Leon Windscheid. Im Interview spricht der 32-Jährige über seine Motivation, Opfern sexueller Gewalt zu helfen.

Warum engagieren Sie sich für das Netzwerk Roter Keil?

Dr. Leon Windscheid: Das Netzwerk Roter Keil macht sich seit 20 Jahren stark für Kinder, die Opfer von Missbrauch geworden sind. Ich spreche immer wieder mit Betroffenen und weiß daher, dass das eine Wunde in die Seele reißen kann. Das Thema wird in unserer Gesellschaft oft tabuisiert. Weil diese grausamen Taten so unvorstellbar sind, schauen wir weg und wollen es nicht wahrhaben. Das Netzwerk Roter Keil erinnert unermüdlich daran, dass es mitten in unserer Gesellschaft immer wieder stattfindet. Deshalb ist die Arbeit des Netzwerkes so wichtig.

Sie sind neben Helene Fischer, Atze Schröder, Lisa Feller, Fabian Wegmann, Ingrid Klimke und vielen weiteren Prominenten ein sogenannter Schutzengel des Netzwerks Roter Keil. Was bedeutet das?

Windscheid: Unser Job ist es, auf die Thematik aufmerksam zu machen und mit unseren Namen für Reichweite zu sorgen. So erleichtern wir die Arbeit des Netzwerkes Roter Keil, das wiederum die Arbeit der verschiedenen Hilfe-Organisationen vor Ort unterstützt. Mir ist es wichtig zu betonen, dass die konkrete Hilfe für Betroffene und die Präventionsarbeit von ebendiesen Organisationen verrichtet wird.

Sie sind kürzlich Zeuge dieser konkreten Arbeit vor Ort geworden, als Sie bei dem Verein „Hilfe für Jungs“ hospitierten.

Windscheid: Genau. Ich war dort mit Streetworkern unterwegs, die männlichen, zum Teil erschreckend jungen Sexarbeitern Hilfsangebote machen. Vor deren Arbeit habe ich höchsten Respekt, und es ist gut, dass der Rote Keil solche Projekte unterstützt.

Drei Projekte, ein Konto

Sie sprechen öfter mit Menschen, die Missbrauch als Kinder erlebt haben. Zum Beispiel in Ihrem Podcast „In extremen Köpfen“. Was berichten die Betroffenen?

Windscheid: In einer Podcast-Folge habe ich mit Kay gesprochen. Der Name der Frau ist geändert. Sie ist Opfer von systematischem Missbrauch in einer Sekte geworden. Durch das traumatische Erlebnis hat sie eine dissoziative Identitätsstörung entwickelt. Das bedeutet, dass ihre Psyche als Schutzmechanismus viele verschiedene Persönlichkeiten in ihr angelegt hat. Damit durchs Leben zu kommen, ist ziemlich heftig. Die Frau hat mich fasziniert, weil sie damit zu leben gelernt hat und sogar wieder arbeiten kann. Unterstützt hat sie dabei auch das Netzwerk Roter Keil.

Wie sollte Opferschutz Ihrer Meinung nach aussehen?

Windscheid: Am besten wäre es, wenn Kinder gar nicht Opfer von sexueller Gewalt werden würden. Das ist wohl leider utopisch, da müssen wir uns nichts vormachen. Wir müssen aber so präventiv wie möglich vorgehen. Sobald ein Kind sich verändert, sich mitteilen will, ist von uns Erwachsenen der Mut verlangt, hinzusehen und das Gespräch zu suchen. Denn die größten Gefahren sind Scham und Schweigen. Das hilft nur den Tätern.

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