1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Drei Jahrzehnte Pionierarbeit

  6. >

Kinderschutzambulanz

Drei Jahrzehnte Pionierarbeit

Münster

Seit 30 Jahren nimmt sich die DRK-Kinderschutzambulanz Betroffenen beim Thema Kindesmissbrauch an. Ein Thema, dass lange Zeit nahezu tabuisiert war. Die Gründerväter der Kinderschutzambulanz erinnerten sich anlässlich des besonderes Datums.

Von Björn Meyer

Dr. Kerstin Adolf-Wright (Vorständin DRK-Kreisverband Münster, vorne v.l.), Prof. Dr. Johannes Uekötter, der damalige DRK-Kreisgeschäftsführer Günter Ackermann und Einrichtungsleiterin Susanne Egerding vor den Mitarbeitern der Kinderschutzambulanz. Foto: Björn Meyer

Seit nunmehr 30 Jahren gibt es in Münster die Kinderschutzambulanz. Eine Stelle, die Beratung und Therapie im Bereich des Kindesmissbrauchs anbietet. Es sind drei Jahrzehnte, die Beleg dafür sind, dass sich die Einrichtung in der Stadtgesellschaft etabliert hat. Auch weil dem Thema in der Gesellschaft eine größere Bedeutung zugemessen wird, als das vor noch gar nicht allzu langer Zeit war, wie sich bei einer Gesprächsrunde in der Melchersstraße 55 zeigte.

Mitte der 80er-Jahre begann der damalige Kinderarzt Prof. Dr. Johannes ­Uekötter, sich ehrenamtlich um das Thema Kindermissbrauch zu kümmern. Fünf bis zehn Fälle jährlich hätten seinerzeit für Münster in der Kriminalstatistik gestanden, so Uekötter. Als Arzt aber erlebte er eine andere Realität. Schließlich wandte sich Uekötter an das Deutsche Rote Kreuz, woraus – etwas verkürzt dargestellt – die hauptamtliche Kinderschutzambulanz unter Trägerschaft des DRK resultierte.

Eine Kausalkette, die für Ärger sorgte

Uekötter erinnert sich an Vorbehalte bei Kollegen, Institutionen und auch direkt oder indirekt Betroffenen. Denn früh sei ihm, Uekötter, klar gewesen, dass Täter eben häufig auch selber Opfer gewesen seien. Eine von ihm benannte Kausalkette, die Uekötter eigenen Angaben zufolge aber weniger Zuspruch, dafür Drohschreiben und Beschimpfungen einbrachte. Dennoch putzte Uekötter, wie er selber sagt, Klinken und lief als Bittsteller Mitteln hinterher – alles, um dem Thema mehr Beachtung zuteil werden zu lassen, als eine wegsehende Gesellschaft bis dahin zuließ.

Heute gebe es ein höheres Interesse an dem Thema, betonte Dr. Kerstin Adolf-Wright, Vorständin im DRK-Kreisverband, am Dienstag. Explizit hob sie dabei die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sowie den Missbrauchskomplex Münster hervor. „Das Thema wird nicht mehr totgeschwiegen“, so Adolf-Wright.

Schwierige Finanzierung

Auf die Probleme bei der Gründung ging auch der ehemalige DRK-Kreisgeschäftsführer Günter Ackermann ein. Uekötter sei damals bei ihm auf offene Ohren getroffen, denn als Leiter einer heilpädagogischen Einrichtung sei er, Ackermann, schon vorher mit der Problematik konfrontiert gewesen – „ohne fachliche Hilfe“, betonte Ackermann, der zudem sagte, er erinnere sich noch lebhaft daran, wie schwer es gewesen sei, eine Finanzierung hinzubekommen.

Die Lage darum hat sich heute verbessert – sie ist aber offenbar keineswegs optimal. Zwar finanziere mittlerweile die Stadt eine Stelle, seit 2010 sei aber beispielsweise die Förderung durch Bund und Land nicht mehr gestiegen, so die Leiterin der DRK-Kinderschutzambulanz, Susanne Egerding. Es funktioniere, so Egerding, „aber immer mit einem Knirschen.“ DRK-Vorständin Adolf-Wright fügte hinzu, dass mit mehr Personal Wartezeiten zu vermeiden seien und wertete, dass es unerträglich sei, wenn Betroffene, die Hilfe suchen, warten müssten.

Startseite
ANZEIGE