1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Effizient, aber hohe Kosten

  6. >

Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Effizient, aber hohe Kosten

Münster

Seit zwei Jahren bekommen Flüchtlinge, die in Münster leben, eine elektronische Gesundheitskarte. Damit können sie zum Arzt gehen, die Kosten werden zentral über die Technikerkasse mit der Stadt abgerechnet. Das Resümee ist grundsätzlich positiv.

Karin Völker

Die Gesundheitskarte soll auch dafür sorgen, das Flüchtlinge beim Arztbesuch nicht diskriminiert werden. Foto: Bernd Thissen (dpa)

Die Verwaltung legt jetzt einen ersten Erfahrungsbericht mit der seinerzeit auf Initiative der Grünen eingeführten Gesundheitskarte vor. Für die Karte entschieden sich 23 von insgesamt 396 Kommunen in Bund. In NRW sind neben Münster unter anderem Köln, Düsseldorf, Bonn und Bochum dabei.

Resümee grundsätzlich positiv

Das Resümee ist grundsätzlich positiv: Die medizinische Behandlung der Flüchtlinge sei „effizienter und effektiver“, die Gesundheitsversorgung verbessert. Die Karte sorge auch dafür, das Flüchtlinge beim Arztbesuch nicht diskriminiert würden. Vor Einführung der Karte hatten die Menschen vom Sozialamt pro Quartal Berechtigungsscheine für die medizinische Behandlung erhalten, die sie beim Arzt vorlegen mussten. An diesem System halten die meisten Kommunen weiter fest.

Aus dem Bericht der Verwaltung, über den der Sozialausschuss am Mittwochabend debattierte, geht eine erhebliche Kostensteigerung für die medizinische Behandlung seit Einführung der Karte hervor. Die Kosten pro berechtigter Person seien im Schnitt um 77 Prozent angestiegen. Die Gründe dafür lägen darin, dass vor 2015 im Wesentlichen Menschen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz versorgt wurden, die bereits seit längerem in Deutschland lebten und gesundheitlich hier versorgt wurden.

Vorher vielfach überhaupt keine gesundheitliche Versorgung

Die seither ankommenden Flüchtlinge hätten dagegen vielfach zuvor überhaupt keine gesundheitliche Versorgung gehabt und litten außerdem vielfach unter schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Schwer kranke Asylsuchende werden laut Stadtverwaltung auch gezielt Städten mit einem guten medizinischen Versorgungsnetz und einem Universitätsklinikum zugewiesen. Außergewöhnlich hohe Krankenhilfekosten, die 35 000 Euro pro Flüchtling und Kalenderjahr übersteigen, übernimmt das Land.

CDU und Grüne beantragten, die Praxis mit der Gesundheitskarte in Münster noch genauer zu evaluieren und mit anderen Kommunen zu vergleichen. Außerdem soll jährlich die Entwicklung der Leistungen und Kosten vorgelegt werden.

Startseite