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Philip Overberg präsentiert „Myrica Gale 1480“

Ein Bier gebraut wie im 15. Jahrhundert

Münster

Zu behaupten, aus dem neuen münsterischen „Grutbier“ lasse sich die Historie der Stadt heraus schmecken, ist vielleicht etwas verwegen. Ein geschichtsträchtiges Bier ist das von Philipp Overberg konzipierte „Myrica Gale 1480“ aber allemal.

wn

Grutherr Philipp Overberg (l.) lud zur Vorstellung und Verkostung seines neuen Grutbieres. Foto: bsc

Overberg braut in seiner Gruthaus-Brauerei Biere mit regionalem oder historischem Bezug. So entstanden schon in der Vergangenheit unkonventionelle Biere wie das Pumpernickel-Porter. Grut nannte man früher die Kräuter, die zum Würzen von Bier eingesetzt wurden.

Bei seiner neuesten Kreation hat Overberg das traditionelle Grutbier aus den staubigen Archiven der Geschichte gekramt und in etwas abgewandelter, weil an die Gaumen der heutigen Konsumenten angepasster Version, auf den Markt gebracht. „Ich habe versucht, so historisch wie möglich zu arbeiten, ohne die Leute zu verschrecken“, erklärte Overberg bei der Präsentation des neuen Bieres.

Grutbier spielte im 15. und 16. Jahrhundert in vielen norddeutschen Städten eine wichtige Rolle – so auch in Münster. Zum einen diente Bier als Alltagsgetränk wie heute Wasser, weil es in großen Behältern aus Holz nicht so schnell gammelte. Zum anderen stellte das Grutbier einen enorm wichtigen wirtschaftlichen Faktor im Staatshaushalt dar, wie die in einer Edition zu den Grut­amts­rechnungen von 1480 und 1533 veröffentlichten Forschungen der Historikerin Dr. Ilse Eberhard zeigen. Das Grutmonopol lag bei der Stadt, die dadurch in Hochzeiten bis zu Zweidrittel ihres Haushaltes finanzierte. Außerdem war das Grutbier ein wichtiger Exportfaktor.

„Das Rezept war ein gut gehütetes Staatsgeheimnis“, sagt Overberg. Auch ließen sich in Ausnahmefällen vorhandene Mengenangaben nicht auf heute übertragen. Das machte die Aufgabe des Grutherrn nicht leichter. „Mein Anspruch ist nicht, hundertprozentig korrektes historisches Bier zu brauen“, meinte Overberg. Dennoch solle sein Bier „möglichst authentisch“ sein. Das Resultat ist ein sehr mildes und sehr helles Bier, das mit einem Hauch Kräuteraroma ein Getränk darstellen soll im Stile eines belgischen Witbieres.

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