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Lesung mit Otto Lohle alias Tönne Speckmann

Ein Eperaner in der großen weiten Welt

Münster

In Gronau und Epe ist Tönne Speckmann eine Art Promi. Nun hat sich das Eper Landei auf den Weg in die große weite Welt gemacht. Erste Station – und das ist für Speckmann schon so etwas wie eine Weltreise – war die Provinzialhauptstadt Münster. Dort hat er zum ersten Mal öffentlich aus seinem Buch „Lüëgen un anner Waorhaiten“ vorgelesen.

Otto Lohle alias Tönne Speckmann (Mitte) stellt mit seinem guten Freund Klaus Wiedau (l.) und Dr. Benedikt Hüffer, Verleger der Westfälischen Nachrichten und Geschäftsführer des Medienhauses Aschendorff, sein Buch vor. Foto: Oliver Werner

Hinter Tönne Speckmann steckt der Jazz-Fest-Begründer Otto Lohle. Dessen Kollege und guter Freund Klaus Wiedau beschreibt Tönne Speckmann als einen Rentner, der zwar „in Würde gealtert und noch so fit wie ein Turnschuh aus den 60er-Jahren“, aber „nicht die hellste Kerze auf der Torte“ ist. „Dafür hat Tönne aber Selbstbewusstsein und Schlitzohrigkeit mit der Muttermilch aufgesogen.“

Der hat nun in seinem Buch das Leben in Epe alias Spökenberg (was so viel bedeutet wie „Geisterberg“) beschrieben – auf Platt.

Ansichten eines sympathischen Kotzbrockens

Die Anek­doten stammen von einem besserwissenden Kotzbrocken, der mit politischer Korrektheit nichts am Hut hat, aber es schafft, mit zerknautschtem Hut auf dem Kopf, einem alten Mantel am Leib und Holzschuhen an den Füßen wenigstens ein kleines bisschen sympathisch zu erscheinen. Speckmann gönnt seinen Lesern einen humorvollen Blick auf den Besuch einer Spökenberger Pilgergruppe in Lourdes („Naiger kaas du eengslik nich an de Moder Guods kuëmen“), auf Beerdigungsrituale und den Alltag auf dem Eper Amt. Bei aller Hoffnung, dass Otto Lohle all das nur erfunden hat, bleibt das dumme Gefühl, dass die Körnchen Wahrheit darin vielleicht doch größer sind als einem lieb ist.

Wer nicht mit Plattdeutsch groß geworden ist, für den ist die Lektüre eine Herausforderung. Spaßig beginnt sie für den zu werden, der den Text laut liest – oder sogar jemandem anderen vorzulesen.

Tönne Speckmann, „Lüëgen un anner Waorhaiten“, Aschendorff-Verlag, 114 Seiten, 17,90 Euro.

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