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Kritik zur RTL-Kuppelshow „Der Bachelor“

Ein Fall für die Trash-Polizei

Münster

Zünftiger Zickenzoff: Die Balz-Parade spitzt sich immer weiter auf ein Duell zwischen Michèle und Michelle zu. Sympathieträger der fünften Folge sind aber andere.

Pjer Biederstädt

Michèle de Roos schmachtet Bachelor Niko Griesert beim Date auf der Schlittschuhbahn an, deren Eis ungefähr so farblos war wie die Dialoge zwischen den Turteltauben. Foto: TVNOW

Von Folge zu Folge drängt sich immer stärker die Frage auf: Warum tun sich die Frauen und der Bachelor die Liebes-Schnitzeljagd vor laufender Kamera überhaupt an? Denn spätestens in Episode fünf wird klar: Die Protagonisten sind in diesem Jahr weitaus weniger banal als die Show.

Sieht man der erfrischend lustigen Hannah zu, will man sofort ein Sondereinsatzkommando der Trash-Polizei losschicken und sie aus dieser mit drei Tuben Klischee zusammengeleimten Weißwurst-Kulisse befreien. RTL traut dem Publikum leider nur Oberfläche zu, und die sieht eben besser aus, wenn Leute in der Sauna sitzen, aber nicht schwitzen.

Lustig, entlarvend und schizophren

Der Bachelor bringt es auf den Punkt: Als Mimi ihn fragt, ob er denn gar keine negativen Seiten habe, sagt er: „Doch, ich bin der Bachelor.“ Das ist lustig, entlarvend und schizophren zugleich. Ein Bachelor, der keiner sein will – irgendwie sympathisch. Oder steckt da etwa die raffinierteste PR-Strategie in der Geschichte der CDU dahinter? Im Herbst sind Kommunalwahlen in Niedersachsen, Papa-Bachelor ist Oberbürgermeister in Osnabrück, ein paar Stimmen von urbanen Jungwählern täten den Konservativen sicher gut.

Aber in Sachen Kalkül ist ja eigentlich RTL der Chef. Da wird die Zimmeraufteilung im neuen bayrischen Domizil auf Klassenfahrtniveau zum zünftigen Zickenzoff stilisiert, Show-Querulantin Linda muss sich echauffieren, weil dem Bachelor ihre neuen Frisuren nicht auffallen und dann ist da noch die Sache mit dem Michèle-Michelle-Duell. Michèle, die zurückhaltende Münsteranerin, und die etwas weniger zurückhaltende Mimi-Michelle müssen sich als Favoritinnen doof finden. Mimi findet doof, dass Michèle schon ganz früh bei einem Date (auf dem sie mit vollem Bauch im B-Klasse-Hochzeitskleid Schlittschuh laufen muss) eine Rose bekommt, Michèle findet doof, dass Mimi über Nacht – bussi bussi – beim Bachelor bleiben darf. Zum Abschluss gibt‘s noch ein Becherchen Produktplatzierungsgesöff, damit sich das konstruierte Gefühlskarussell auch so richtig schön dreht.

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