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Zuhörtelefon „Nightline“

Ein Ohr für Studierende in Not

Münster

Studierende im dritten kontaktlosen Corona-Semester lastet die Pandemie zunehmend auf der Seele. Das Zuhörtelefon „Nightline“ leistet erste Hilfe für jene, die dringend jemanden zum Reden brauchen.

Karin Völker

Die für „Nightline“ tätigen Studierenden leihen Kommilitonen in seelischen Nöten ehrenamtlich ein Ohr. Foto: Jürgen Peperhowe

Der „Dienst“ am Telefon beginnt für den Philosophie-Studenten Jan (Name geändert) immer um 21 Uhr. Am anderen Ende der Leitung: Studentinnen und Studenten aus Münster, alle mit ordentlichem Druck auf der Seele. Die Lernblockade vor der wichtigen Klausur, Stress mit Partner oder Partnerin, der gekündigte Nebenjob, der einem das Studium ermöglichte. Jan versucht dann, erste Hilfe zu leisten, als einer des Teams von „Nightline“ Münster, ein „Zuhörtelefon“ für Studierende aller Hochschulen.

Seit 2007 in Münster

Vor mittlerweile 51 Jahren wurde das Angebot in Großbritannien gegründet – nachdem sich zwei Studierende das Leben genommen hatten. In Münster gibt es Nightline seit 2007. „Wir waren eines der ersten Angebote in Deutschland“, erzählt Jan, der im Vorstand mitarbeitet. Alle, die sich für Nightline engagieren, arbeiten ehrenamtlich und anonym, weshalb auch in diesem Artikel ein anderer Name verwendet wird.

Nightline

„Nightline“ Münster ist sonntags bis freitags jeweils von 21 bis 1 Uhr unter  0251/83 45400 und im Internet unter https:/nightline-muenster.de erreichbar.

Jetzt steht das dritte Corona-Semester an den Hochschulen vor der Tür – und ein Problem wird für Studierende immer größer, sagt Jan: „Viele leiden schwer unter Einsamkeit.“ Beziehungen lassen sich nur schwer knüpfen, außerdem sind da auch finanzielle Probleme und die ermüdende Belastung des vielfach zäh empfundenen digitalen Studiums. „Durch Corona sind die Sorgen der Studierenden noch einmal gewachsen“, so Jans Eindruck.

Philosophie-Student

Das Nightline-Team mit einer wechselnden Besetzung zwischen 20 und knapp 50 Mitarbeitern könnte noch Verstärkung gebrauchen. Die Fluktuation sei leider hoch, so Jan. An der WWU wird Nightline von der IT-Abteilung der Hochschule technisch unterstützt, die Zentrale Studienberatung bildet die Mitarbeiter aus, leistet Supervision. „Das ist sehr gut“, so das Vorstandsmitglied. Aber Jan wünscht sich, dass das Angebot noch bekannter würde – etwa indem das Nightline-Logo auf jedem Studierendenausweis abgebildet werde, so wie etwa an der Uni Potsdam, oder dass die WWU ihren E-Mail-Verteiler für einen Hinweis auf Nightline zur Verfügung stellen würde.

„Die Arbeit ist herausfordernd, aber auch sehr erfüllend“, sagt Jan. Er selbst hat sich zum Mitmachen entschlossen, weil er anderen Studierenden helfen möchte, aber auch, weil er ein ehrenamtliches Engagement gesucht habe, „an dem ich wachsen kann“.

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