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Neues Masematte-Buch zu kleinen Ärgernissen im Alltag

Ein Schild kann ganz schön nerbelo sein

Münster

Masematte ist Münsters Geheimsprache aus dem 19. Jahrhundert. Schausteller und Viehhändler laberten so. Im neuen Buch von Wolfgang Schemann tauchen erstaunlich viele Wörter auf, die man selbst spricht.

Ralf Repöhler

„Ganz schön nerbelo“ findet Masemattenfreier Wolfgang Schemann so manches im Alltag. Foto: Matthias Ahlke

Wurzelschäden, steht auf Schild an der Soester Strehle (Straße). „Doch wennze über die Strehle peselst, kannze nix kneistern, das wie Wurzelschäden ausroint“, wundert sich der Masemattenfreier und Buchautor Wolfgang Schemann. Im Gegenteil. „Die Strehle ist glatt wie eine frisch gebügelte Malocherplinte.“ Und selbst wenn da direkt vor der Montessorischule hinterm Scharett (Bahnhof) Wurzelschäden wären, warum schickt die Kaff-Mänglowation (Stadtverwaltung) nicht einen Malocher vorbei, um die Malessen zu beheben. Stattdessen warnt dort ein Schild, seit 15 Jahren. . .

Unser Münster ist hamel jovel! Aber es gibt das ein oder andere, über das man sich wundern oder aufregen könnte. Beispiele hat Schemann, früherer Lokalchef der Westfälischen Nachrichten in Münster, in seinem siebten, im Aschendorff-Verlag erschienenen Masematte-band „Ganz schön nerbelo“ (verrückt) gesammelt. Der Alltag steckt voller kleiner Ärgernisse. Grüne Wellen, die nicht funktionieren, oder Fahrräder, die die Bürgersteige verstopfen; Menschen, die mit Laubsaugern lärmen oder die plötzlich Klopapier sammeln.

Die zupackende Sprache der Schausteller, Viehhändler und Hausierer 

Um darüber brastig zu schmonseln (erzählen), eignet sich jovel Masematte, die zupackende Sprache der Schausteller, Viehhändler, Hausierer und Landfahrer, die Münsteraner Mitte des 19. Jahrhunderts in Ecken der Stadt wie Kuhviertel, Klein-Muffi (Herz-Jesu), Pluggendorf oder Sonnenstraße rakawelten (sprachen). Die Zutaten der alten Geheimsprache sind Rotwelsch, Jiddisch und Romani. Schemann greift kochum (klug) zur Feder, damit das Kauderwelsch, das eigentlich mehr gelabert wird, nicht in Vergessenheit gerät.

Wie wär’s mit kuranten (hübschen) Beispielen? Heutzutage gibt’s so viele Paukbeis-(Schul)-Angebote, dasse gar keine Zerche (Ahnung) mehr hegst, wohin du deine Koten schicken sollst. Oder: Wennze mit der Leeze oder mit dem Wuddi auffe Strehle (Wagen auf der Straße) nicht mehr sicher bist, weil es stürmt, schneit oder hagelt, dann schemm zum Scharett (lauf zum Bahnhof) – die Trallis (Züge) päsen immer. Und natürlich: In der Tagesfleppe kannze ja selten dibbern, dass einer rakawelt, alles sei tofte – denn die suchen immer so lange, bis sie irgendwas gefunden haben, das sie Katastrophe schmusen können.

Wolfgang Schemann, Ganz schön nerbelo, 124 Seiten, Aschendorff-Verlag, 9,95 Euro. Hier geht es zur Bestellung.

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