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Feierstunde zur Wiedereröffnung der renovierten Dominikanerkirche

„Ein Symbol für die offene Stadt“

Münster

Die Dominikanerkirche sieht aus wie neu. Die Stadt gab bereits einen Empfang für geladene Gäste in der renovierten Ausstellungshalle. Alle anderen müssen bis Ende November warten.

Von Maria Conlan

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach lobte die Stadt für die gelungene Umwidmung der Dominikanerkirche. Foto: Oliver Werner

Die breite Öffentlichkeit muss sich noch ein paar Wochen gedulden, um Gerhard Richters Pendel-Skulptur wieder bewundern zu können. Doch ein Kreis geladener Gäste durfte bereits am Wochenende die für 3,7 Millionen Euro zur städtischen Ausstellungs- und Veranstaltungshalle umgebaute Dominikanerkirche feierlich einweihen. Die profanierte Kirche ist – wie berichtet – im Prinzip empfangsbereit: Es gibt nun Sanitäranlagen, eine Küche, einen barrierefreien Zugang und vor allem eine deutlich verbesserte Akustik.

Oberbürgermeister Markus Lewe begrüßte zahlreiche Gäste „zum denkwürdigen Augenblick“. Spannend sei die Dialektik des Kirchengebäudes: einst geschlossener Raum der Dominikaner, jetzt geöffnet für ein modernes Kunstwerk und somit ein Ort für alle. Die Dominikanerkirche sei ein Symbol für die offene Stadt und zugleich ein Ort, um innehalten zu können.

Denkmal erhalten, Mehrwert schaffen

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach betonte in ihrem Grußwort, dass hier kommunale Politik etwas geschafft habe, was viele Städte noch vor sich hätten: die Profanierung von Kirchen, wobei das Denkmal geschützt und ein Mehrwert geschaffen werden müsse. Sie sprach von der Kirche als einem großartigen Ort der Kultur. Münster benannte sie als „Stadt dieser Welt und Welt-Stadt aus der Historie des Westfälischen Friedens heraus“. Die Profanierung könne vorbildhaft für andere wirken.

Der Wissenschaftsforscher Prof. Michael Hagner aus Zürich hielt die Festrede. Er beleuchtete die Geschichte des Pendel-Versuchs von Léon Foucault zur Erdrotation, der bis heute Faszination ausübe. „Wir bewegen uns“, werde dadurch deutlich. Als eines der beliebtesten Experimente der Wissenschaftsgeschichte werfe das Pendel Fragen zum menschlichen Selbstverständnis auf und beleuchte politische Ikonographie. Die Ästhetik des Pendels löst Gefühle der Ruhe und Schönheit aus im Gegensatz zur zunehmenden Hektik modernen Lebens. Die Pendelverschiebung zu bemerken, benötige Geduld, Aufmerksamkeit und Zeit, wie das Betrachten eines Kunstwerks.

Richters Kunstwerk beantwortet keine Fragen

Von der Geschichte des Pendels in Paris, über St. Petersburg, Washington und New York kam er zum Roman „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco und erläuterte, dass das Pendel zwischen Glauben und Wissen, Erkenntnis und Esoterik, Anschauung und Abstraktheit schwinge. Gerhard Richters Kunstwerk mit den zwei grauen Doppelspiegeln führe den Betrachter, den Kirchenraum und das Pendel zu einer scheinbar objektiven Verdoppelung. Doch das Grau verschlucke die Farben. Die Bespiegelung des Selbst rege an zur Überprüfung eigener Wahrnehmung. Richter wolle keine Fragen beantworten, sondern skizziere einen möglichen Raum, um Fragen stellen zu können. Es sei kein Sieg für Wissenschaft und Glauben, aber ein Punkt für die Kunst.

Zum Abschluss der Feierstunde demonstrierten die Altfrid M. Sicking (Vibrafon) und Christian Kappe (Trompete), wie gut die Dominikanerkirche jetzt klingt. 

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