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Demonstranten rufen „Klimaalarm“ für Münster aus

Eindrucksvolles Zeichen für mehr Klimagerechtigkeit

Münster

Auch, wenn die Menschenkette am Samstagmittag auf der 4,6 Kilometer langen Promenade rund um Münsters Altstadt mangels Masse nicht geschlossen werden kann, ist es ein eindrucksvolles Zeichen des Protests für mehr Klimagerechtigkeit: Rund 1000 meist junge Demonstranten rufen am Mittag den „Klimaalarm“ für Münster aus und sehen die kurzfristige Sperrung aller wichtigen Zufahrtsstraßen zur Innenstadt „nur als Auftakt“ an.

Helmut Etzkorn

Foto: Helmut Etzkorn

In den kommenden Wochen und Monaten soll „der Druck mit weiteren und spektakulären Protestaktionen in Münster ins Unermessliche steigen“, so Gustav von Blankenberg von „Fossil Free Münster“ bei der Auftaktkundgebung auf dem Prinzipalmarkt. Die Politik müsse „nun ganz schnell handeln“. Seine Gefühle beschreibt der 30-Jährige aus einem „Mix an Frust und Hoffnung“, wobei „die Entschlossenheit überwiegt“. Angesichts der Großdemo vor einer Woche mit über 20.000 Teilnehmern auf dem Prinzipalmarkt ist sich von Blankenberg sicher: „Es tut sich etwas in der Gesellschaft.“

Trotz Regengüssen ist die Stimmung bei den Teilnehmern gut. „Es besteht einfach Not, jetzt die rote Linie zu ziehen. Wir müssen handeln“, sagt Mia Kunda. Wie viele neben ihr kritisiert sie scharf das jüngst verabschiedete Klimaschutzpaket der Bundesregierung als „völlig unzureichend“. Michael Zobel, der prominente Naturführer vom Hambacher Forst, ermuntert die Demonstranten zu weiteren Aktionen. Der Klimaalarm soll nur „die erste Welle von vielen dezentralen Aktionen sein“. „Wir müssen auf die Straße“, so Zobel.

Die Autofahrer im Stau an der Ecke Weseler Straße/Adenauerallee bleiben gelassen. „Macht nichts, ist ja für einen guten Zweck“, sagt Bernhard Bahlbrink aus Ascheberg. Er hat vor der durch ein Polizeikrad abgesicherten Menschenkette am Zebrastreifen den Motor seines Seats abgestellt und fragt die Beamten, wann es denn weitergeht. „Nur zehn Minuten Geduld für unser Klima“, ruft eine Aktivistin und dafür gibt es Beifall. Selbst eine Gruppe Touristen, die gerade nebenan im Bierlokal „Spatzl“ feiert, gesellt sich kurz zu den Demonstranten auf der Promenade. „Die tun hier was, finde ich gut“, meint Alex Korschenbach aus Geilenkirchen. Doch der Schauer vertreibt ihn und seine Freunde dann doch schnell wieder unter das schützende Dach der Wirtshauses.

Die Forderungen zum Klimaalarm stehen auf Flugzetteln, die auch auf dem Wochenmarkt und der Stubengasse verteilt werden. Besonders wichtig sind vielen Demonstranten eine autofreie Innenstadt und ein Appell an den Landschaftsverband, sich schnell von allen RWE-Aktien zu trennen. „Münster muss bis 2023 klimaneutral sein und zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien versorgt werden“, so das Bündnis. Auf selbst gemalten Pappschildern sind Sätze zu lesen wie „Wenn wir nicht die Klimakrise stoppen, dann stoppt die Klimakrise uns“. Und „unsere Lebensweise ist Völkermord in weiten Teilen der Welt“. Die für die nächsten Monate schon angekündigten Blokaden des Verkehrs seien „so etwas wie eine Klimanotwehr“, meint das Aktionsbündnis.

Laut Polizei bleibt beim „Klimaalarm“ alles friedlich.

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