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Kreisjägerschaft setzt Greifvögel ein

Eine Jagd ohne Schusswaffen

Münster

Jäger stellt man sich gemeinhin mit dem geschulterten Gewehr vor. Doch Jagen geht auch ohne das Abfeuern eines einzigen Schusses – und das nicht etwa mit „Hightech“, sondern auf beinahe mittelalterliche Weise: mit Greifvögeln. Die Kreisjägerschaft führte eine solche „Beizjagd“ jetzt in den Randbezirken der Stadt durch.

Klaus Möllers

Ihren Bussard „Arwen“ Foto: klm

Wüstenbussard-Weibchen „Arwen“ sitzt auf dem Lederhandschuh um die Finger ihres Halters Axel Soest (53) im Auto. Auf dem Acker neben der Straße erspäht der Greifvogel eine Gruppe Graugänse. Soest auch. Dann geht alles schnell: Der Falkner lässt das Seitenfenster runter und lässt den Vogel von der Hand. In weniger als zwei Sekunden hat sich der Bussard auf eine rund 100 Meter entfernte Gans gestürzt und sie mit Schnabel und Krallen am Hals schwer verletzt. Die Gans ist „geschlagen“, heißt es in der Jägersprache, also zur Strecke gebrachte Beute.

Jagd ohne Schusswaffen

Jagd mit Greifvögeln – eine „Beizjagd“ (im Mittelhochdeutschen steht „beizen“ für „beißen“) – hat jetzt die Kreisjägerschaft in den Randbezirken der Stadt durchgeführt. Mit Falken, Habichten und dem Wüstenbussard („Harris Hawk“) und deren Haltern aus mehreren Bundesländern. Ohne Schusswaffen.

Was manche Tierfreunde womöglich als unnötige Quälerei und Töten von Lebewesen ansehen, bewerten die Jäger anders: „Diese Jagd ist in erster Linie auf Krähenvögel ausgerichtet. Die Bestände wurden uns aus den Revieren mitgeteilt“, erklärt Lambert Focke, Sprecher der Jägerschaft. „Es geht darum, die Population einzudämmen“, sagt Falkner Reinhard Fiebig, der in seinem Auto mit dem Habicht „Kiki“ unterwegs ist. Ehefrau Gabi (60) steuert den Wagen.

Bauern bitten um Hilfe

„Wir werden oft von Bauern angerufen, wenn zu viele Rabenkrähen die Landwirtschaft belasten. Sie zerhacken die Folien der Siloballen mit Futter für Kühe und Pferde. Selbst, wenn Netze zum Schutz darüber gespannt sind“, legt der 63-Jährige dar, der die Falknerei privat betreibt und beruflich als Vermessungsingenieur tätig ist. „Das Futter fängt an zu faulen. Die Bauern können es wegschmeißen“, ergänzt Gabi Fiebig.

Aber warum war die Gans Jagdziel, obwohl die meisten Greifvögel dieser Beizjagd doch auf Krähen und Kaninchen trainiert sind? „Gänse fressen den Bauern die Felder kahl und hinterlassen viel Kot. Gras ist als Tierfutter so nicht mehr verwertbar. Es geht also auch um Futterhygiene“, erläutert Focke zum Hintergrund.

Kein Interesse an Jagd mit Waffen

Als Gast fährt Diana Fricke (44) aus Münster auf der Rückbank in Fiebigs Auto mit. Sie will den Falkner-Schein machen, der übrigens erst nach dem Erwerb des regulären Jagdscheins, ebenfalls durch Seminare und staatliche Prüfung, erreicht werden kann. Fricke: „Greifvögel haben mich schon immer fasziniert.“ An der Jagd mit Waffen sei sie – so erklärt es auch Falkner Soest für sich – nicht interessiert. Lambert Focke sieht es so: „Die Beizjagd ist eine naturnahe Jagd, weil man sich den Jagdinstinkt der Vögel zunutze macht und keine Waffe zum Einsatz kommt.“

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