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Prozess gegen den Müllsammler aus Kinderhaus

Eine Nachbarschaft, die tiefe Spuren hinterlässt

Münster-Kinderhaus

Der Müllsammler aus Kinderhaus steht mal wieder vor Gericht. Der zweite Prozesstag hat offenbart, unter welchem Druck seine Nachbarin offenbar lebt.

Björn Meyer

Der Müllsammler aus Kinderhaus steht erneut vor Gericht. Foto: dpa (Symbolbild)

Mehrfach gibt die Zeugin im Saal 1B im Amtsgericht Münster am frühen Freitagnachmittag Einblicke in ihr Seelenleben. Ein normales Leben sei für sie nicht möglich. Wenn sie das Haus verlasse, dann schalte sie ihr Handy auf Aufnahme. Das, so die über 70-jährige Frau, habe ihr die Polizei geraten. Die Zeugin wohnt in Münster-Kinderhaus, sie ist die Nachbarin des stadtbekannten Müllsammlers und Krankletterers. Ein psychisch kranker Mann, der – mal wieder – vor Gericht steht. Etliche Bedrohungen und Beleidigungen werden im vorgeworfen, dazu Diebstähle.

Die Frau, die mit ihrem Mann das Reihenhaus neben ihm bewohnt, hat seit Jahren unter den Ausbrüchen des Mannes zu leiden. Er werde sich eine Pistole besorgen und sie ausschalten. Genau wie auch ihre Tochter, zählt die Anklage noch weitere Drohungen auf. Handyaufnahmen dazu werden kommende Woche gehört, Nachbarn bestätigten den Wortlaut bereits am Freitag. Auch etlichen weiteren Personen soll der Angeklagte gedroht haben.

57-Jähriger fühlt sich kontrolliert

Der 57-Jährige sieht die Sache jedoch anders. Er habe sich nur aufgeregt, etwa weil der Gärtner seiner Nachbarin Äste seines Kirschlorbeers abgeschnitten habe. Außerdem stelle seine Nachbarin ihm nach, kontrolliere ihn stets. Eine Äußerung, der nur schwer zu folgen ist, kann die Rentnerin doch davon berichten, dass er nachts mit einer großen Taschenlampe durch die Fenster in das Haus des Ehepaars aus Kinderhaus leuchte. Das mache er nur, weil die Frau nicht vollständig ihre Rollladen heruntermache, um ihn stets kontrollieren zu können, meint hingegen der Müllsammler, in dessen Garten bei der letzten Räumungsaktion nicht nur Müll, sondern auch gestohlen gemeldete Fahrräder aufgefunden wurden. Etliche Zeugen identifizierten am Freitag ihre Fahrräder vor Gericht.

„Er wird es irgendwann wahr machen“, sagt die Nachbarin des Angeklagten. Der Richter fragt nach: „Ihnen etwas antun?“ „Ja“, sagt die Zeugin, „das weiß ich.“

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