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Wegwerfmentalität

Einwegbecher verstopfen die Mülltonnen

Münster

320.000 Coffee-to-go-Becher werden in Deutschland stündlich verbraucht. Der Müllberg, den sie erzeugen, wächst immer höher. In Münster gibt es nun Überlegungen, den Einwegbechern den Kampf anzusagen.

Martin Kalitschke

Ein gewohntes Bild auch in Münster: Kaffee in Einwegbechern. Doch die Forderungen nach wiederverwertbaren Mehrwegbechern nehmen zu. Foto: Matthias Ahlke

Erst trank man den Kaffee im Sitzen, dann im Stehen – und schließlich im Laufen. Die Beschleunigung des Kaffeekonsums produziert inzwischen gigantische Müllberge: 320.000 Coffee-to-go-Becher werden nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe in Deutschland verbraucht – stündlich! Immer mehr Städte sagen daher den Wegwerfbechern den Kampf an. In Freiburg gibt es den „Freiburg-Cup“, einen Mehrwegbecher aus Plastik, in Tübingen den „Tü-Go“-Becher. Und was macht Münster?

Stadtweit gibt es bislang keine Initiative, die die Coffee-to-go-Einwegbecher ins Visier nimmt. Doch das soll sich nach dem Willen von Schwarz-Grün bald ändern. Für 2017 sind im Haushalt – bescheidene – 1000 Euro vorgesehen, um einen runden Tisch auf den Weg zu bringen, der sich mit Müllvermeidung beschäftigt.

Becher-Test am Katholikentag?

„Konkrete Überlegungen sind noch in den Kinderschuhen“, räumt Grünen-Ratsfrau Dr. Didem Ozan ein. Einen „Münster-Becher“, der – wie das Freiburger Vorbild – mehrfach verwendet werden kann und gegen ein Pfandgeld ausgegeben wird, hält sie für eine gute Idee. Und ihr schwebt auch schon ein Anlass vor, zu dem ein solcher Becher modellhaft ausprobiert werden könnte – „der Katholikentag 2018“.

„Wenn man so etwas macht, muss das natürlich positiv besetzt sein“, stellt Michael Radau, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes, klar. Von Sanktionen hält er nichts – doch die wären auch kaum nötig: Radau macht nämlich bei Handel wie Kunden eine wachsende Bereitschaft aus, den Müllberg abzubauen. „Daher wird der Handel ein sinnvolles, zukunftsorientiertes Projekt sicher unterstützen.“

Vor 20 Jahren sah das noch anders aus. Die Stadt Münster brachte mit 45 weiteren Städten 1997 eine kommunale Verpackungssteuer auf den Weg, um Müllsünder zu bestrafen. Das Verfassungsgericht kippte sie jedoch 1998, weil sie verfassungswidrig war.

Wiederverwendbare Becher

Heute achten nicht nur Kunden, sondern auch Händler zunehmend auf Müllvermeidung. Immer öfter wird Kaffee in wiederverwertbaren Bechern abgefüllt. „Doch es gibt auch Cafés, die das als unhygienisch ablehnen“, hat Harald Nölle vom Umweltforum beobachtet. Er bezeichnet eine stadtweite, freiwillige Aktion gegen Einwegbecher als „wünschenswert“, denn: „Münster hat in diesem Bereich Nachholbedarf.“

An der Stadt werde das nicht scheitern, betont Nachhaltigkeitsdezernent Matthias Peck: „Uns würde es gut tun, ein solches Zeichen zu setzen.“ Auch er setzt auf Freiwilligkeit – und auf Aufklärung über Sinn und Zweck von Müllervermeidung möglichst schon im Kita-Alter.

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