1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Engel mit Herz und Hand

  6. >

100. Geburtstag von Schwester Euthymia

Engel mit Herz und Hand

Münster

Eine Woche vor dem 100. Geburtstag von Schwester Maria Euthymia haben die Clemensschwestern in einem Festakt an die Selige erinnert. Sie blickten dabei auch auf die heutige Situation der Krankenpflege – und eine Arbeitswelt, die ganz anders ist als die von Euthymia vor rund 70 Jahren.

Sandra Peter

Eine Woche vor dem 100. Geburtstag von Schwester Maria Euthymia hatten die Clemensschwestern in die Mutterhauskirche eingeladen – und blickten dabei auch auf die heutige Situation der Krankenpflege. Foto: Oliver Werner

Wie würde Schwester Euthymia mit der modernen Arbeitswelt in den Krankenhäusern zurechtkommen, würde sie heute leben und arbeiten? Käme sie, die sich als Krankenschwester immer Zeit nahm für die Patienten, mit der Arbeitszeit aus? Würde sie länger arbeiten, müssten Kollegen Patienten von ihr übernehmen – und wie lange würde es dauern, bis ihr die Pflegedienstleitung dies ankreidete? Den bevorstehenden Geburtstag von Schwester Maria Euthymia – am 8. April wäre sie 100 Jahre alt geworden – nahmen die Clemensschwestern am Dienstagabend zum Anlass, um gemeinsam mit vielen Gästen auf die heutige Situation der Krankenpflege und die Lage in den kirchlichen Krankenhäusern zu blicken. Bürgermeisterin Karin Reismann formulierte in ihrem Grußwort die eingangs erwähnten Fragen und lieferte damit einen Denkanstoß. Gesundheit sei ein wichtiges Thema, der Bedarf an professioneller Pflege werde immer größer – bei gleichzeitig steigendem Zeit-, Kosten- und Qualitätsdruck.

Schwester Euthymia

Schwester Maria Euthymia, meist kurz Schwester Euthymia genannt, starb am 9. September 1955 in Münster. Am offenen Sarg Schwester Euthymias soll eine ihrer Mitschwestern, die starke Verbrennungen und Quetschungen erlitten hatte, nachdem ihre Hand in eine Bügelmaschine gekommen war, um Fürbitte gebeten haben. Die Hand soll innerhalb kurzer Zeit vollständig geheilt sein. Am 7. Oktober 2001 wurde Schwester Euthymia in Rom selig gesprochen.

Zuvor hatte in der voll besetzten Mutterhauskirche Theo Paul, Generalvikar aus Osnabrück, einen Vortrag über „Christliche Krankenhäuser in einer säkularen Gesellschaft“ gehalten. „Die Qualität eines Krankenhauses wird von Patienten daran festgemacht, ob ihnen Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht wird“, sagte er.

Was bis heute in der Krankenpflege von Ordensgemeinschaften aufgebaut worden ist, sei eine große Leistung, sagte Schwester Elisabethis Lenfers. Diese Leistung würde fortgesetzt durch die Pflegekräfte und Ehrenamtlichen, die heute das Bild der Krankenhäuser prägen. Euthymia möge dabei noch heute Motivation sein, „gelebter Barmherzigkeit“ ein Gesicht zu geben.

Vor allem wurde deutlich, dass viele Gäste ganz Persönliches mit Euthymia verbindet. Sie sei 2001 bei der Seligsprechung in Rom mit dabei gewesen, sagte Karin Reismann, und werde jedes Mal daran erinnert, wenn sie am Euthymia-Zentrum oder an der Grabkapelle auf dem Zentralfriedhof vorbeikomme. Und Dechant Gregor Kauling aus Dinslaken, wo Schwester Euthymia zwölf Jahre lebte und arbeitete, erinnerte sich an ein kleines, zerknittertes Bild der Clemensschwester, das ihm seine Großmutter gab, als er sechs Jahre alt war. „Das Bildchen habe ich heute noch.“ Euthymia sei von den Kranken „Engel der Liebe“ genannt worden – ein Engel ohne Flügel, aber mit Herz, Hand und Fuß.

Startseite