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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Enrico L. gesteht alle Tatvorwürfe wie angeklagt

Münster

Rund fünf Stunden hat Enrico L. am Freitag hinter verschlossenen Türen von seinen unfassbaren Taten berichtet. Was ihm vorgeworfen wird, soll er vollumfänglich gestanden haben.

Dirk Anger

Neunter Verhandlungstag im Mammutverfahren um schweren sexuellen Missbrauch an Kindern: Enrico L. aus Schorfheide hat die Anklagevorwürfe eingeräumt. Foto: Friso Gentsch

Über mehrere Stunden sagt Enrico L. am Freitag im Mammutverfahren um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern aus. In eigenen Worten berichtet der 42-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit von den schier unfassbaren Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Drei Kinder soll der Mann bei unterschiedlichen Gelegenheiten allein oder mit anderen schwer missbraucht und vergewaltigt haben – darunter seinen damals sieben Jahre alten Sohn.

Die Aussage des Angeklagten aus dem brandenburgischen Schorfheide, der zusammen mit drei weiteren Männern und der Mutter des Hauptbeschuldigten Adrian V. aus Münster seit Mitte November auf der Anklagebank sitzt, beschäftigt die Jugendschutzkammer des Landgerichts den gesamten neunten Verhandlungstag über. Bislang ist Enrico L. der einzige der fünf Angeklagten in diesem Verfahren, der sich überhaupt zur Sache eingelassen hat. Allerdings räumt er dem Vernehmen nach nur ein, was die Ankläger an Taten ohnehin aufgelistet haben.

Aussage statt Videos

Schon am Mittwoch hatte Enrico L. mit seiner Aussage begonnen; wie er eingangs einmal sagte, um das Zeigen von Videos aus einer Gartenlaube in Münsters Norden abzuwenden, wo es zu schlimmsten Missbrauchstaten gekommen sein soll. Diese Videos werden nun möglicherweise aber am kommenden Dienstag als Beweismittel Gegenstand des Verfahrens werden.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.

Den Angeklagten drohen in diesem Prozess bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe. Daran anschließen könnte sich für die vier pädophilen Männer eine Sicherungsverwahrung, die sie auf unbestimmte Zeit hinter verschlossenen Türen halten könnte.

Drei weitere Verfahren beginnen

Unterdessen werden im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Münster noch vor Weihnachten drei weitere Verfahren vor dem Landgericht eröffnet. In einem am 21. Dezember beginnenden Prozess ist neben der Schlüsselfigur im gesamten Missbrauchsgeschehen, Adrian V. aus Münster, ein 50 Jahre alter Mann aus Hannover angeklagt. Opfer soll in diesem Fall wieder der Ziehsohn von Adrian V. gewesen sein.

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