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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Enrico L. räumt weitere Taten ein

Münster

Er will sich selbst für einen guten Vater gehalten haben, obwohl er zahlreiche Kinder schwer sexuell missbraucht hat: Am 31. Verhandlungstag im Mammutprozess um den Missbrauchsfall Münster hat Enrico L. erneut ausgesagt. Er spricht von weiteren Taten und nennt neue Opfer.

Dirk Anger

Der angeklagte Enrico L. (r.) hat sich am Dienstag erneut zur Sache eingelassen und weitere Taten zugegeben, die bislang nicht Bestandteil der Anklage waren. Foto: Dirk Anger

Einmal mehr hat Enrico L. im großen Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Münster unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Wort ergriffen. Drei Stunden lang äußerte sich der Angeklagte aus dem brandenburgischen Schorfheide zu dem ihm vorgeworfenen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern.

Dabei soll der 42-jährige dem Vernehmen nach erneut eingeräumt haben, mehr Kinder, als bislang bekannt, schwer sexuell missbraucht zu haben. Trotzdem will er sich selbst für einen guten Vater gehalten haben, auch wenn ihm schon mal die Hand ausgerutscht sei, wie er gesagt haben soll.

Angeklagter belastet Carina V. nicht 

Am 31. Verhandlungstag in dem Mammutverfahren im Missbrauchskomplex Münster soll die ebenfalls angeklagte Mutter des Hauptbeschuldigten Adrian V. durch die Aussage von Enrico L. nicht belastet worden sein. Für ihn habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Carina V. etwas vom Missbrauch gewusst habe, soll Enrico L. vor Gericht gesagt haben. Eine entsprechende Erklärung, wonach seine Mandantin durch die Aussage nicht belastet worden sei, hat später der Rechtsanwalt von Carina V. abgegeben, wie das Landgericht mitteilte.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.

Die Münsteranerin ist angeklagt, weil sie nach Ansicht der Ermittler ihrem Sohn eine Gartenlaube in Münsters Norden in dem Wissen überlassen haben soll, dass es dort zu schweren Missbrauchstaten an Kindern komme. Unterdessen hat eine Kammer des Landgerichts den jüngsten Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichter in dem Missbrauchsverfahren gegen Adrian V. und vier Mitangeklagte als unbegründet zurückgewiesen.

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