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Verdacht der Vorteilsannahme

Ermittler durchsuchen Stadtdirektor-Büro

Münster

Unangemeldeter Besuch für den Stadtdirektor: Ermittler durchsuchten dessen Büro im Stadthaus sowie das Privathaus.

Dirk Anger

Das Büro von Stadtdirektor Schultheiß im Stadthaus 1 wurde durchsucht. Foto: Matthias Ahlke

Die Polizeibeamten in Zivil, die am Dienstagvormittag vor einer Bürotür im ersten Stock des Stadthauses 1 standen, sorgten zunächst kaum für Aufsehen. Dennoch schlug ihr Kommen ein wie eine Bombe: Die Ermittler durchsuchten Büro und Arbeitsplatz des Stadtdirektors.

Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme hatten die Beamten nach Recherchen unserer Zeitung einen Durchsuchungsbefehl bei Gericht erwirkt. Zeitgleich ist es zu einer Durchsuchung im Privathaus von Hartwig Schultheiß gekommen.

Hintergrund der Aktion ist den Behörden zufolge die Strafanzeige einer Privatperson, die beim Landeskriminalamt eingereicht worden sei: In der Anzeige wird dem Stadtdirektor anscheinend vorgeworfen, im Zusammenhang mit seiner Diensttätigkeit sich oder einem Dritten einen Vorteil verschafft zu haben.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch lediglich Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung wegen des Verdachts der Vorteilsannahme sowie gegen einen weiteren Beschuldigten wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung. In diesem Rahmen haben am Dienstag laut Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape Durchsuchungen an „mehreren Stellen“ stattgefunden.

Ausdrücklich wies Lechtape darauf hin, dass „die Ermittlungen am Anfang stehen“. Und betonte mehrfach: „Das Ergebnis ist völlig offen.“ Die Staatsanwaltschaft werde den Sachverhalt „umfassend“ prüfen – „be- und entlastende Umstände ermitteln“.

Hartwig Schultheiß bestätigte auf Anfrage, dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn geführt werde. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“, betonte der Stadtdirektor.

Nach Informationen unserer Zeitung ist dessen Ehefrau als Selbstständige seit geraumer Zeit Leiterin eines Projekts der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen. Deren Präsident wiederum hatte mit seinem münsterischen Ingenieurbüro in der Vergangenheit von der Stadtverwaltung den Auftrag erhalten, nach dem Einsturz der 08-Sporthalle die Tragfähigkeit zahlreicher Turnhallen in Münster zu überprüfen.

Nach Recherchen unserer Zeitung ermittelt die Staatsanwalt in diesem Umfeld nun, ob es womöglich zu Unregelmäßigkiten gekommen ist. In Kreisen der Stadtverwaltung wird das bezweifelt. Schultheiß erklärte unterdessen: „Die Vorwürfe sind absolut unberechtigt.“ Ingenieurkammer-Präsident Dr. Heinrich Bökamp nahm am Mittwoch zu den Vorwürfen keine Stellung.

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