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ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper zum Katholischen Kirchentag 2018 in Münster

„Es geht um drängende Probleme“

Münster/Bonn

Der Kirchentag wird nach Münster kommen. Die Finanzprobleme werden gelöst. Da ist sich ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper im Interview sicher – ein Plädoyer für das Katholikentreffen.

Günter Benning

Stefan Vesper ist Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Foto: Günter Benning

Der Katholikentag kommt zwar erst in drei Jahren nach Münster. Aber die Debatte über einen städtischen Zuschuss von zuletzt 1,2 Millionen Euro entzweit die politische Landschaft. Außer der CDU spricht sich im Vorfeld keine Partei dafür aus. WN-Redakteur Günter Benning sprach mit dem Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper.

Der Kompromiss-Vorschlag von Oberbürgermeister Markus Lewe, den Katholikentag mit 1,2 Millionen Euro zu fördern, hat wenig Chancen darauf, durch den Rat zu kommen. Was sagen Sie dazu?

Vesper: Wir haben von der Meinungsbildung in der SPD gelesen, können aber ohne eine konkrete Beschlussvorlage nicht beurteilen, was das konkret für uns bedeutet. Wir wollen den Katholikentag in Münster und sind zuversichtlich, dass sich dieses Großereignis mit einer konkreten Unterstützung der Stadt realisieren lässt.

Haben Sie mit der Finanz-Diskussion in Münster gerechnet?

Vesper: Ich sehe nicht nur Schwierigkeiten. Ich weiß, dass sich viele Menschen auf den Katholikentag freuen. Bei uns ist Münster sehr positiv besetzt, emotional, thematisch freuen wir uns auf die Stadt und das Bistum. Jetzt haben wir noch einen Klärungsbedarf zu einem Teil der Finanzen, aber wir sind zuversichtlich, dass wir das lösen können.

Haben sich in der Vergangenheit die Kommunen immer an Katholikentagen beteiligt?

Vesper: Seit einer Generation beteiligen sich die Städte durch Bar-Zuschüsse an allen Kirchen- und Katholikentagen. Das liegt daran, dass städtische Gesellschaften, wie die Halle Münsterland, klar ausweisen müssen, welche Einnahmen und Ausgaben sie haben. Das finde ich auch richtig. Mit den Bar-Zuschüssen können Leistungen wie Saalmieten, Unterkünfte, Reinigung auf Heller und Pfennig abgerechnet werden.

Leipzig hat vier Prozent Katholiken, Münster 50. In der Diskussion erweist sich, dass die gleiche säkulare Kritik hier wie dort vorgetragen wird. Hat sich die Gesellschaft geändert?

Vesper: Erstmal habe ich Verständnis, wenn ein Stadtrat genau hinschaut bei der Haushaltsplanung. Ich weiß um die besondere Situation angesichts des Unwetters im letzten Sommer, erst recht nach den Debatten der letzten Jahre um das Stichwort „Kirche und Finanzen“. Aber der Katholikentag ist ein von den Laien, nicht von der Amtskirche durchgeführtes Ereignis, das im Wesentlichen von Teilnehmerbeiträgen und kirchlichen Zuschüssen getragen wird, aber auch von öffentlichen Geldern. Wir glauben, dass wir für die Öffentlichkeit und die gesellschaftspolitische Debatte in unserem Land etwas Wichtiges beitragen.

Manche Kritiker sprechen vom „Sommerfest der Katholiken“.

Vesper: Das wäre grundfalsch, wenn man es nur so sehen würde. Natürlich gehören zum Katholikentag auch das Fest und die Feier. Aber das Wesentliche ist: Wir zeigen, was die Christen der Gesellschaft an Lösungen für drängende Probleme unserer Zeit anzubieten haben. Der Deutsche Evangelische Kirchentag und der Katholikentag sind die beiden größten bürgerschaftlichen Diskussionsforen, wo Menschen von der Basis der Kirche ihre Beteiligungskultur pflegen. Die Themen reichen vom Klimawandel bis zu sozialer Gerechtigkeit, von Bildungsfragen oder – in Münster wird das wichtig sein – bis zum Miteinander der Religionen und den Frieden. Der Katholikentag führt Menschen im christlich-jüdischen und christlich-muslimischen Dialog zusammen. Das ist doch brandaktuell!

In der Kritik kommt häufig der Vorschlag auf, die Kirche möge den Kirchentag selbst finanzieren. Ist das eine Alternative für das ZdK?

Vesper: Das ZdK ist ein selbstbewusster Teil unserer Kirche, deshalb bitten wir sie auch um finanzielle Unterstützung. Wir haben aber keinen Einfluss auf die Ausgaben der Kirchensteuer. In den Diözesen sind im Moment Geldmittel vorhanden, die man vor Ort für die eigenen Zwecke benötigt. Die Diözese Münster beteiligt sich ja schon mit einem namhaften Beitrag.

Kirchenkritiker bemängeln die Rückwärtsgewandtheit der katholischen Amtskirche. Welche Rolle spielt in dieser Diskussion das ZdK?

Vesper: Die Kritiker sollten sich intensiver mit unseren Aussagen und Forderungen beschäftigen. Viele der Dinge in der Kirche, die sich jetzt durch Papst Franziskus bewegen, haben wir seit Langem gefordert. Es muss endlich gute Lösungen für wiederverheiratete Geschiedene geben. Wir suchen Wege für homosexuelle Menschen, denen man als Kirche mit Wertschätzung begegnen muss. Wir haben seit Langem gefragt, ob die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern notwendig ist. Wir setzen uns für das Diakonat der Frau ein – und all das sind nur Beispiele.

Was hat Münster vom Katholikentag?

Vesper: Ich habe in Münster mit vielen Menschen gesprochen. Der Beitrag für den Katholikentag rechnet sich für die Stadt mehrfach. Das hat auch der Stadtrat in Leipzig so gesehen. Leipzig fördert uns, weil es kein Ereignis ist für vier Prozent Katholiken, sondern für 100 Prozent Leipziger. Übrigens, ein sozialer Hinweis: In Leipzig werden alle Hartz-IV-Empfänger kostenlosen Zutritt haben, wir legen großen Wert darauf, dass alle dabei sein können.

Was, wenn der Rat gegen Zuschüsse zum Katholikentag stimmen würde, würde er trotzdem stattfinden?

Vesper: Solche Szenarien will ich mir nicht vorstellen. Der Katholikentag in Münster wird ein voller Erfolg werden. Wir freuen uns auf Münster, wir haben lange darauf gewartet. Diese Phase der Debatte werden wir überwinden.

Im Hintergrund der Finanzdebatte steht ja immer der aus Münster nach Limburg gezogene Bischof Tebartz van Elst. Wie kann man dessen Wirkung beschreiben?

Vesper: Sein in einem unabhängigen Bericht dargestelltes Handeln hat eine verheerende Wirkung, sie schadet allen in der katholischen Kirche. Und weder die Stadt Münster noch das Bistum noch das ZdK sind dafür verantwortlich.

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