Mordprozess: Deutliche Gutachten

Familienmitglieder verweigern Aussage

Münster

Vier Zeugen, aber keine Aussage – dafür sprachen am sechsten Prozesstag eines Mordprozesses vor dem Landgericht Münster die Gutachten eine deutliche Sprache.

Björn Meyer

Am Landgericht Münster wird in einem Fall verhandelt, in dem ein heute 52-Jähriger seine Frau ermordet haben soll. Foto: Friso Gentsch

Vier Familienmitglieder, dazu zwei Gutachter – es hätte ein langer Prozesstag am Montag in Saal A14 des Landgerichts Münster werden können. Doch der sechste Verhandlungstag im Prozess gegen einen heute 52-Jährigen aus Münster endete schon am Vormittag. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, in der gemeinsamen Wohnung am Kappenberger Damm im Juli 2015 seine Ehefrau heimtückisch erdrosselt zu haben.

Als die Richterin die Verhandlung am Morgen eröffnet, stehen zunächst drei Zeugen und Zeuginnen im Fokus. Doch sowohl die beiden Schwestern des Angeklagten sowie auch sein 30-jähriger Sohn berufen sich als Familienmitglieder auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht und untersagen zudem die Verwendung vorheriger Aussagen, die gegenüber der Polizei getätigt worden waren.

Eine Zeugin fehlt derweil. Es handelt sich um die Tochter des Mannes. Sie hat unter anderem eine schriftliche Stellungnahme eingereicht. Auch darin heißt es, dass sie sich weder vor Gericht zur Sache äußern wolle, noch gestatte, dass eine vorherige Aussage Verwendung finde. Auf eine weitere Vorladung wird in ihrem Fall verzichtet.

Gutachten sprechen deutliche Sprache

Eine deutliche Sprache sprechen dagegen zwei Gutachten, die im Anschluss vorgestellt werden. Eine zunächst in den Zeugenstand gerufene Gutachterin stellte dar, dass an einem in der Wohnung gefundenen Tragegurt, der von einer Tasche abgeschnitten worden war, sich die Spuren des Opfers sowie in eingetrockneten Blutflecken des Angeklagten wiederfinden. In der Wohnung war der Gurt an einem Haken an der Decke aufgefunden worden, die Staatsanwaltschaft glaubt allerdings, dass die Frau damit erdrosselt wurde. Zu diesem Schluss kam auch der zweite Gutachter an diesem Tag. Nach seinen Untersuchungen sei es ausgeschlossen, dass sich mit dem Gurt jemand erhängt habe. Passen würde die Deformation des Gurtes dagegen zu einer Strangulation, so der Gutachter. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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