ZDF-Sendung über Weihnachten

Filmdreh Henning Stoffers: Früher war mehr Lametta

Münster

Wie war Weihnachten eigentlich früher? Münsters bekannter Hobby-Historiker Henning Stoffers hat es aus seiner Perspektive vor der Kamera erzählt – für einen Fernsehbeitrag im ZDF.

Pjer Biederstädt

Während der Dreharbeiten erzählte Stoffers von kaum vorhandener Weihnachtsstimmung in der zerstörten Innenstadt kurz nach dem Krieg und wie er zu Hause Weihnachten feierte. Foto: Münsterländische Bank Thie – Stadtarchiv, Pjer Biederstädt, privat

Als hätte Petrus gewusst, worum es geht, ist es am Drehtag bitterkalt. Münsters bekannter Hobby-Historiker Henning Stoffers soll für einen Fernsehbeitrag vor der Kamera erzählen, wie es früher in Münster an Weihnachten war. Dazu nimmt er Florian Hellwig und Ann-Kristin Danzenbächer von der münsterischen Filmfirma Hellwig , die den Beitrag für die ZDF-Sendung „Sonntags“ produzieren, mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit.

„Es war grau und trostlos“, erinnert sich Stoffers an die Winter der frühen 1950er-Jahre. Auf seinem Schulweg vorbei am Dom zum Paulinum habe er viele Trümmergrundstücke passiert. „In der Weihnachtszeit erstrahlte die Innenstadt keineswegs im Lichterglanz wie heute. Das Fest war einfacher, bescheidener“, sagt Stoffers in die Kamera, hinter ihm die große beleuchtete Tanne vor der Lambertikirche.

Unerfüllte Kinderträume

Beim Rundgang durch die Stadt mit dem Filmteam spricht der 76-Jährige vom Spielwarengeschäft Brinkmann an der Rothenburg, wo er sich als Kind „die Nase am Schaufenster platt gedrückt“ habe. Dort lagen die Kinderträume, die jedoch oftmals unerfüllt blieben.

Autorin Danzenbächer lobt den Protagonisten ihres Beitrags als guten Erzähler. Auch wenn dieser manchmal vom Thema Weihnachten abschweift. Kann passieren, wenn man sich ein wandelndes Münster-Lexikon vor die Kamera holt.

Stoffers Erinnerungen an sein schönstes Weihnachtsgeschenk in Kindertagen – eine elektrische Eisenbahn – werden bei Henry Schirrmeister geweckt. Im Geschäft für Modelleisenbahnen am Bült hält Stoffers plötzlich einen anderen Kindheitstraum in den Händen: das Krokodil – ein Modell einer Schweizer Lokomotive. „Die wollte ich früher immer haben.“

Vor dem kaputten Rathaus und Stuhlmacher bringt Weihnachten 1947 ein Tannenbaum wenigstens etwas Weihnachtsstimmung in Münsters gute Stube. Foto: Münsterländische Bank Thie - Stadtar

Weihnachten in der St.-Josefskirche

Doch Weihnachten bestand auch damals nicht nur aus Geschenken. Zum Hochamt mit Pastor Albert Höing und Kaplan Johannes Sonnenschein am 1. Weihnachtsfeiertag ging der kleine Henning damals in die St.-Josefskirche an der Hammer Straße, unweit seines Elternhauses. „Wenn dort gesungen wurde, dann war Weihnachten“, sagt Stoffers.

Der letzte Drehort ist Stoffers Zuhause. Dort erzählt er anhand seiner imposanten Bildersammlung unteranderem, dass es damals an Heiligabend immer Kartoffelsalat gegeben habe, an den Feiertagen dann „Festessen“ mit Fleisch. Und der Baum? „Der war mit Süßigkeiten – mit Stanniol umwickelten Tannenzapfen aus Schokolade – und vor allem viel Lametta behängt.“

1954: Henning Stoffers (r. unten) mit seinem Bruder (l.oben) an Weihnachten in Münster. Foto: privat

Nach fünf Stunden Drehzeit für den etwa fünfminütigen Beitrag ist alles im Kasten. Zu sehen gibt es Stoffers Geschichten am 20. Dezember um 9 Uhr im ZDF.

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